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Editorische Zeichen in den Brieftexten

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  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

15. Beethoven an Nikolaus Simrock1 in Bonn

[Wien, 18. Juni 1794]

Lieber Simmrock!

mein Bruder2 Sagte mir hier, daß sie meine Variationen zu 4 Händen schon gestochen hätten, oder doch stechen würden.3 das anfragen deswegen bey mir, dünkt mich wäre doch wohl der Mühe werth gewesen; – wenn ich nun eben so handelte, und jezt dieselben V. [ariationen] dem Artaria <verkaüfete>verkaufte, da sie Sie jezt stechen. doch bleiben sie unbesorgt deswegen. das einzige, was ich mir ausbitte ist, daß sie jezt den Stich damit aufgeben, und mir nur schreiben, ob sie sie schon wircklich angefangen haben, ist das, so schicke ich ihnen von hier durch eine Gelegenheit an meinen Freund den Gr.[afen] waldstein4 das Manuscript davon,5 wonach sie sie denn stechen können, weil darin verschiedenes verbessert ist, und ich doch wenigstens wünsche meine Sachen in ihrer möglichen Vollkommenheit erscheinen zu sehen. sonst war ich nicht willens jezt Variationen herauszugeben, da ich erst warten wollte, bis einige wichtigere Werke von mir in der welt wären, die nun bals [sic] herauskommen werden.
ich bitte sie mir also deswegen sobald als möglich zu schreiben.
wollten sie vieleicht hier einen Verleger haben, so wollte ich das gern über mich nehmen, ihnen einen zu zeigen, den ich als einen wackern Mann kenne.
übrigens hoffe ich wenigstens zwei Duzend E [x] emplare zu bekommen, und wünsche daß sie richtiger gestochen mögen werden, da in den andern V.6 ein wichtiger Fehler ist gemacht worden, indem man in der 6ten Variation , anstatt A moll anzuzeigen durch drey auflösungszeichen, hat A dur hat stehen laßen mit 3 Kreuzen.
nur ein Exemplar schickten sie mir, das war doch verflucht wenig – da mir artaria für die anderen7 ein gutes Honorarium und 12 Exemplare gab.
schreiben sie mir, ob sie etwas anders von mir wollen, und was? –
leben sie wohl und grüßen sie mir den Ries8 .
ihr Dienstwilliger Freund
L. v. Beethowen.
Vien den 18ten Juni. 1794.9

A Monsieur Monsieur Simrok Musicien de S. A. de Cologne a Bonn.



1 Nikolaus Simrock (1751 – 1832), seit 1775 als Waldhornist Mitglied der kurkölnischen Hofkapelle in Bonn, der auch Beethoven angehörte (nach der Besetzung des Kurstaates durch die französischen Revolutionstruppen im Oktober 1794 aufgelöst). 1793 gründete er einen sehr erfolgreichen Musikverlag mit einer Dependance in Paris, die von seinem Bruder Heinrich geleitet wurde.

2 Kaspar Anton Karl van Beethoven, der im Frühjahr 1794 nach Wien gekommen war.

3 Acht Variationen für Klavier zu vier Händen über ein Thema des Grafen Waldstein, WoO 67. Die Variationen sind im August/September 1794 bei Simrock erschienen.

4 Ferdinand Ernst Graf von Waldstein (1762 – 1823) war 1787 in den Deutschen Orden eingetreten und 1788 nach Bonn gekommen. Er war einer der bedeutendsten Förderer Beethovens und vermittelte ihm 1792 ein kurfürstliches Stipendium zum Studium bei Haydn in Wien. Zu seiner Biographie s. u.a. Josef Heer, Der Graf von Waldstein und sein Verhältnis zu Beethoven , Bonn 1933.

5 Beethoven meint vermutlich das heute in Paris befindliche Autograph von WoO 67, Bibliothèque Nationale, Ms. 27, das er ausweislich des Papiers in Wien niedergeschrieben hat. Simrock hat offenbar nach einer von diesem Autograph an mehreren Stellen abweichenden Stichvorlage gearbeitet. Siehe hierzu das Vorwort von Hans Schmidt in NGA VII, 1.

6 WoO 66, 13 Variationen für Klavier über "Es war einmal ein alter Mann", die bei Simrock im Herbst 1793 erschienen waren. Der Vorzeichenfehler in der sechsten Variation wurde bei späteren Abzügen verbessert.

7 Gemeint sind die zwölf Variationen über ein Thema aus Mozarts Hochzeit des Figaro WoO 40, die im Juli 1793 bei Artaria erschienen waren.

8 Franz Anton Ries (1755 – 1846), Vater von Ferdinand Ries, Konzertmeister in der kurfürstlichen Kapelle und Beethovens Lehrer. Er unterstützte die Familie Beethoven, nachdem der Vater 1789 den Dienst quittieren mußte.

9 Jahreszahl von fremder Hand angefügt.


© 1998 G. Henle Verlag, München