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Hilfe zur Benutzung der Brieftexte

Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

123. Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig

[Wien, etwa 18. Dezember 1802]1

statt allem Geschrey von einer Neuen Methode von V. [ariationen], wie es unsere Hr. Nachbarn die gallo -Franken machen würden, wie <es>zu B.[eispiel] mir ein gewisser fr.[anzösischer] < Reicha> Componist Fugen presentirte après une nouvelle Methode2 , welche darin besteht, daß die Fuge keine Fuge mehr ist, etc – so habe ich doch gewollt den Nichtkenner drauf aufmerksam machen, daß sich wenigstens diese V.3 von andern unterscheiden, und das glaubte ich am ungesuchtesten und unmerkbarsten mit dem kleinen vorbericht, den ich sie bitte sowohl für die kleinern als die größern V. zu sezen, in welcher sprache oder in wie vielen das überlaße ich ihnen, da wir arme Deutsche nun einmal in allen sprachen reden müßen – hier der Vorbericht selbst:
"da diese V. sich merklich von meinen frühern unterscheiden, so habe ich sie, anstatt wie die Vorhergehenden nur mit einer Nummer (nemlich z.B.: No 1, 2, 3, u.s.w.) anzuzeigen, unter die Wirkliche Zahl meiner größern Musikalischen Werke aufgenommen, um so mehr, da auch die Themas von mir selbst sind."4
der Verfasser

Nb : finden sie nöthig etwas zu änder[n] oder zu verbessern, so haben sie völlige Erlaubniß.



1 Der Registraturvermerk gibt als Ankunftsdatum den 26.12.1802 an. Da die Post von Wien nach Leipzig ungefähr acht Tage brauchte, wurde der Brief etwa am 18. Dezember geschrieben.

2 Beethoven bezieht sich auf Anton Reichas 36 Fugues composées d'après un nouveau Système, die allerdings erst 1804 bei Steiner in Wien im Druck erschienen sind, s. Alexander Weinmann, Vollständiges Verlagsverzeichnis Senefelder, Steiner, Haslinger , Bd. 1, München- Salzburg 1979, S. 25. Reicha hatte das Werk Beethoven vermutlich im Manuskript gezeigt. Zu Beethovens "ganz neuer Manier" siehe auch Stefan Kunze, Die "wirklich gantz neue Manier" in Beethovens Eroica-Variationen op. 35 , in: AfMw 29 (1972) S. 124 – 141 sowie Küthen a.a.O., S. 219.

3 Dem Brief lagen offensichtlich die Autographen op. 34 und op. 35 bei.

4 Zu diesem Absatz ist ein mehrfach korrigierter und schließlich gestrichener Entwurf auf der ersten Seite des Autographs von op. 35 (Bonn, Beethoven-Haus, Slg. H.C.Bodmer Mh 6) überliefert:

"<Indem ich bey diesen V. von der bisher gewöhnlichen Methode abgegangen bin,> Da diese Variationen sich merklich unterscheiden von meinen frühern V. so habe ich sie nicht <<wollen> wie alle meine frühern V. > in der Reihe dieser wollen fortgehen laßen, und statt sie mit einer No , wie bey allen meinen andern V. bloß <.....>anzuzeigen, habe ich diese <beyden Werke> unter die wirkliche Zahl meiner Werke aufgenommen, um so mehr, das auch die Themas selbst von mir sind."

Ein "Vorbericht" wurde in den Originalausgaben von op. 34 und op. 35 jedoch nicht abgedruckt.

© 1998 G. Henle Verlag, München