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Hilfe zur Benutzung der Brieftexte

Editorische Zeichen in den Brieftexten

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  • [...] Herausgeberzusatz
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  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

193. Beethoven an Nikolaus Simrock in Bonn

Vien am 4ten Oktober 1804.

Lieber bester Hr. Simrock , immer habe ich schon, die ihnen von mir gegebne Sonate, mit sehnsucht erwartet1 – aber vergeblich – schreiben sie mir doch gefälligs[t], was es dann für einen Anstand mit derselben hat2 – ob sie solche bloß um den Motten zur speise zu geben – , von mir genommen? – oder wollen sie sich ein besonderes kaiserliches privilegium darüber ertheilen lassen? – nun das dächte ich, hätte wohl lange geschehen können. – wo stekt dieser langsame Teufel – der die Sonate heraus treiben soll – sie sind sonst der geschwinde Teufel, sind dafür bekannt, daß sie, wie Faust ehmals mit dem schwarzen im Bunde Stehen, und sind dafür eben so geliebt von ihren Kameraden, – <als>noch einmal – Wo stekt ihr Teufel – oder was ist es für ein Teufel – der mir auf der Sonate sizt, und mit dem sie sich nicht verstehen? – eilen sie also und geben sie mir na[c]hricht, wann ich die S. ans Tageslicht gebracht sehen werde – indem sie mir dann die Zeit bestimmen werden, werde ich ihnen sogleich alsdenn ein Blättchen an Kreuzer schiken, welches sie ihm bey übersendung eines Exemplars (da sie ja ohnedem ihre Exemplare nach paris schicken, oder selbe gar da gestochen werden3) so gütig seyn werden, beizulegen – dieser ist ein guter lieber Mensch, der mir bey seinem hiesigen Aufenthalte4 sehr viel vergnügen gemacht, seine Anspruchlosigkeit und Natürlichkeit ist mir lieber als alles Exterieur ohne interieur der Meisten Virtuosen – da die Sonate für einen Tüchtigen Geiger geschrieben ist,5 um so passend ist die Dedication an ihn – ohnerachtet wir zusammen korrespondiren (d.h. alle Jahr einen Brief von mir6) so – hoffe ich wird er noch nichts davon wissen – ich höre immer, daß sie ihr glück mehr und mehr befestigen, das freut mich vom He[r]zen, grüßen sie alle von ihrer Familie, und alle andern, denen sie glauben, daß ein Gruß von mir angenehm ist

Bitte um baldige Antwort.
Beethowen.



1 Op. 47. Die Stichvorlage, eine Kopistenabschrift, hatte Simrock schon im Dezember 1803 erhalten. Die Sonate ist erst im April 1805 bei ihm erschienen.

2 Die Verzögerung ist möglicherweise dadurch entstanden, daß Simrock für das Werk einen englischen Verleger suchte. Eine englische Parallelausgabe ist bei Robert Birchall in London erschienen. Sie wurde am 9.5.1805 in Stationers Hall registriert.

3 Simrock ließ nicht in Paris stechen. Er hatte dort aber eine Zweigniederlassung, die von seinem Bruder Heinrich geführt wurde.

4 Rodolphe Kreutzer war im Gefolge des französischen Gesandten, General Jean-Baptist Bernadotte, am 8.2.1798 nach Wien gekommen und hat die Stadt nach dem Eklat vom 13.4.1798 (Hissung der Trikolore durch Bernadotte) mit diesem am 15.4.1798 wieder verlassen.

5 Beethoven hatte die Sonate im April 1803 für den farbigen Geiger George Augustus Polgreen Bridgetower komponiert und diese im Mai 1803, vermutlich am 24., mit ihm zum ersten Mal aufgeführt. Das Autograph trägt die Aufschrift: "Sonata mulattica Composta per il Mulatto Brischdauer gran pazzo e compositore mulattico." Die Widmung an Bridgetower unterblieb angeblich wegen eines Streites um ein Mädchen, s. TDR II, S. 398. Wahrscheinlich erhoffte sich Beethoven mit der Dedikation an Kreutzer ein gutes Entrée für seinen geplanten Aufenthalt in Paris.

6 Erhalten ist lediglich ein Entwurf eines Briefes von Beethoven an Kreutzer aus dem Jahre 1825, s. Brief 2087 . Von den Briefen Kreutzers an Beethoven ist nichts überliefert.


© 1998 G. Henle Verlag, München