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Hilfe zur Benutzung der Brieftexte

Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

223. Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig

[Wien, Mai 1805]1

P.S.

Erst gestern erhielt ich ihren Brief vom 30ten Jenner Datirt2 – die hiesiege Post Expedition kann auf verlangen mir's bezeugen, indem ich mich über eine so lange Zurückhaltung natürlich anfragen muste, und man mir dann die Ankunft des Briefes und alles deutlich angab, woraus erhellet, daß der Brief auch nicht im mindesten aufgehalten wurde – Was ich jeden augenblick auf Verlangen schriftlich erhalten kann. – Obschon der Zusammenhang ihres Pariser Briefs3 und das lange Ausbleiben des ihrigen – mir ganz begreiflich ist, so ist das ganze Verfahren zusammengenommen viel zu erniedrigend für mich, als daß ich nur ein Wort drum verliehren sollte4 – ohnehin hat man ihnen die ursache der Verzögerung bekannt gemacht – ist ein Fehler vorgefallen, so lag es darin, daß mein Bruder5 sich in der Zeit des Abschreibens irrte.6 – das honorar ist weit geringer als ich es gewöhnlich nehme7 – Beethowen macht keinen Wind, und verachtet alles, was er nicht grade durch seine Kunst und seinen Verdienst erhalten kann – daher schicken sie mir alle Von mir erhaltene Manuscripte8 das Lied9 <mit einges> auch mit eingeschlossen zurück – ich kann und werde kein geringeres honorar <dafür> annehmen, nur um dieses schon mit mir eingegangene können sie die <dasselbe> Mnsprte [= Manuskripte] erhalten – da das oratorium schon abgeschikt ist,10 so mag es nun bey ihnen bleiben, bis sie es aufgeführt haben,11welches leztere ihnen Frey steht, selbst dann, wenn sie es nicht <zu>für sich behalten wollen – nach der Aufführung desselben können sie mir's zurükschicken, und ist <es> ihnen Alsdann das honorar von 500 fl. Wiener Währung recht, mit der Bedingung dasselbe nur in Partitur herauszugeben, und daß mir das Recht den Klawierauszuges hier in Vien herauszugeben bleibt, so belieben sie mir darüber eine Antwort zum geben – Es gibt keine Zwischenpersonen und hat nie deren gegeben, die das Zusammentreffen von ihnen und mir gehindert hätten12 – nein – die Hindernisse liegen in der Natur der Sache – welche ich weder verändern kann noch mag. – leben sie Wohl.
Ludwig van Beethowen



1 Aus inhaltlichen Gründen folgt, daß der vorliegende Brief nach Brief 218 , also nach dem 18.4.1805 geschrieben wurde und nicht, wie der Registraturvermerk des Verlags angibt, im März. Beantwortet wurden beide Briefe erst am 21.6.1805 (Brief 226).

2 Brief 210 , nicht überliefert.

3 Vermutlich ist nicht ein Brief Härtels aus Paris an Beethoven gemeint, sondern ein Brief, den Härtel von einem unbekannten Absender aus Paris empfangen und den er in seinem Schreiben an Beethoven "vom 30ten Jenner Datirt" erwähnt hat. Möglicherweise ist Härtel darin von Versuchen Beethovens oder eines Mittelsmannes informiert worden, die ihm zugesagten Werke auch an einen französischen Verleger zu verkaufen. Härtels Verlangen nach Ermäßigung des Honorars könnte mit dem eingeschränkten Verlagsrecht begründet worden sein.

4 Vermutlich hatte der Verlag in seinem Brief vom 30.1.1805 Vertragsbedingungen vorgeschlagen, die nicht mit den von Kaspar Karl van Beethoven im November in Brief 199 ausgehandelten übereinstimmten.

5 Kaspar Karl van Beethoven.

6 Die Abschrift und Durchsicht der noch ausstehenden Werke op. 56 und op. 57 hatte längere Zeit in Anspruch genommen, als Kaspar Karl van Beethoven bei seinem Angebot in Brief 199 vom 24.11.1804 versprochen hatte.

7 Für op. 55, op. 56, op. 53, op. 54 und eine dritte Klaviersonate, wohl op. 57, war ein Honorar von 1100 Gulden vereinbart worden.

8 Op. 53, op. 54 und op. 55, s. Brief 209 .

9 Wahrscheinlich eine frühe Fassung des Liedes Andenken WoO 136, s. Brief 209 und 226 .

10 Op. 85. Die Stimmen waren schon am 1.2.1805 mit Brief 211 durch Kaspar Karl van Beethoven überschickt worden. Die Partitur sollte Fürst Karl Lichnowsky Ende April 1805 nach Leipzig mitbringen, s. Brief 218 .

11 Trotz der Bemühungen von Fürst Karl Lichnowsky fand die erste Aufführung von op. 85 in Leipzig erst im Jahre 1812 statt.

12 Der Verdacht des Verlags bezog sich vermutlich auf Beethovens Bruder Kaspar Karl.


© 1998 G. Henle Verlag, München