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Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

254. Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig

Vien am 5ten Juli 1806

P.S.

Ich benachrichtige sie, daß mein Bruder1 in Geschäften seiner Kanzley nach leipzig reist, und ich habe ihm die overtur[e] Von meiner oper im Klawierauszug,2 mein oratorium3 und ein neuesKlawier Konzert4 mitgegeben – auch können sie sich mit demselben auf neue violin quartetten einlaßen,5 wovon ich eins schon vollendet6 und jezt fast meistens mich gedenke mit dieser Arbeit zu beschäftigen – Sobald sie einig mit meinem Bruder werden, schicke ich ihnen den ganzen Klawierauszug der oper7 – auch können sie die Partitur davon haben – ich höre, daß <sie>Man in der Musikal. Zeitung so über die sinfonie , die ich ihnen voriges Jahr geschikt, und die sie mir wieder zurückgeschikt, so loßgezogen hat,8gelesen habe ich's nicht, Wenn sie glauben, daß sie mir damit schaden, so irren sie sich, vielmehr bringen sie ihre Zeitung durch so etwas in Mißkredit – um so mehr, da ich auch gar kein Geheimniß draus gemacht habe, daß sie mir diese Sinfonie mit andern Kompositionen zurük geschikt hätten9 – Emphelen sie mich gütigst hr. v. Rochliz10 , ich hoffe, sein Böses Blut gegen mich wird sich etwas Verdünt haben, sagen sie ihm, daß ich gar nicht so unwissend11 in der <litterarischen> ausländischen Litteratur wäre, daß ich nicht wüßte, Hr. v. Rochliz habe recht sehr schöne Sachen geschrieben,12 und sollte ich einmal nach leipzig kommen, so bin ich überzeugt, daß wir gewiß recht gute Freunde "seiner Kritik unbeschadet und ohne Eintrag zu thun" werden <würden> – auch Hr. Kantor Müller13 , für den ich viele Achtung habe – bitt ich mich zu emphelen – leben sie wohl.

mit Achtung ihr ergebenster
Ludwig van Beethowen

(obendrein wenn aus dem Handel mit meinem Bruder etwas richtig wird, so mögte ich die gedrukten haidnischen und mozartische[n] partituren von ihnen[)].

An Breitkopf und Härtel in Leipzig



1 Kaspar Karl van Beethoven.

2 Vermutlich die dritte Leonoren-Ouverture, die bei Breitkopf & Härtel im Juli 1810 in Stimmen und im August 1815 als Klavierauszug erschienen ist.

3 Op. 85.

4 Op. 58.

5 Op. 59. Die Arbeit an den Quartetten zog sich jedoch noch bis Ende des Jahres hin.

6 Op. 59 Nr. 1 in F-Dur.

7 Fidelio (Leonore) op. 72.

8 Beethoven bezieht sich möglicherweise auf die Berichte über zwei Wiener Aufführungen der Eroica im Januar und April 1805 in AMZ 7 (1805), Sp. 321f. und 501f.

9 Siehe Brief 226 vom 21.6.1805.

10 Johann Friedrich Rochlitz, Redakteur der AMZ, Schriftsteller.

11 Bis hierhin doppelt unterstrichen.

12 Beethoven hatte Anfang Januar 1804 einen unvollendeten Operntext von Rochlitz zurückgewiesen, s. Brief 176 .

13 August Eberhard Müller (1767 – 1817), Organist, Dirigent und Komponist, Schüler von Johann Christoph Friedrich Bach in Bückeburg. 1794 kam er als Organist an die Nikolaikirche in Leipzig und wurde 1804 in der Nachfolge Johann Adam Hillers Thomaskantor. 1810 ging er als Musikdirektor nach Weimar.


© 1998 G. Henle Verlag, München