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Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

359. Beethoven an Breitkopf & Härtel1 in Leipzig

Vien am 4ten März 1809

Mein Hochgeehrter!

Aus dem hierbeygefügten, sehen sie wie die sachen sich verändert haben, und ich bleibe2 – obschon ich vieleicht doch noch eine kleine Reise zu machen gesonnen bin, wenn sich nicht Die jezigen Drohenden Gewitter-Wolken3 zusammen ziehen; – sie erhalten aber gewiß zeitig genug Auskunft – hier das opus etc von den 3 Werken – < So > Sonate für Klawier und Violonzell Dem Herrn Baron Gleichenstein Gewidmet op. 59.4 < Si >Beyde<den> Sinfonien Den beyden Herrn zugleich nemlich: S.[einer] Exzellenz Dem Grafen Rasoumowsky und Seiner Durchlaucht dem Fürsten Lobkowitz gewidmet – < op > Sinfonie in c moll op. 605 , Sinfonie in F op. 616 – sie erhalten Morgen eine anzeige von kleinen Verbesserungen,7 welche ich während Der Aufführung der Sinfonien8 machte; – als ich sie ihnen gab, hatte ich noch keine davon gehört9 – und man muß nicht so göttlich seyn wollen, etwas hier oder da in seinen Schöpfungen zu verbessern – Hr. Stein Trägt ihnen an die Sinfonien zu 2 Klawier zu übersezen,10 schreiben sie mir ob sie das wollen, oder sie wollen, und Honoriren wollen? – –

ich emphele mich ihnen bestens und bin in eile
ihr ergebenster
Freund LvBthwn

Die Trios werden gewidmet A11 Madame la Comtesse Marie d'Erdödy née Comtesse Niczky Dame de la Croix
op. 6212



1 Der Adressat ist aus dem Inhalt zu erschließen.

2 Möglicherweise hat Beethoven eine Abschrift des Rentenvertrages beigelegt. Die AMZ berichtete von dem Vertragsabschluß am 22.3.1809, s. AMZ 11 (1809), Sp. 395f.:

"Der geistreiche, genialische, tiefsinnige Beethoven privatisirte bisher in Wien und die mancherley offenbaren oder versteckten Gegenparteyen, die er, vornämlich unter Musikern von Profession, daselbst fand, mochten ihm die Verhältnisse dieses seines Privatlebens nicht selten erschweren. Vor kurzem erhielt er nun vom westphälischen Hofe durch Hrn. Kapellm. Reichardt, welcher sich jetzt in Wien aufhält, einen vortheilhaften Ruf, und glaubte ihm folgen zu müssen. Da traten einige der edelsten Beschützer und Freunde der Tonkunst in Wien zusammen, erwägend, dass eben Beethovens Genius im Hauptsitz deutscher Instrumentalmusik, in Wien, verweilen, und ohne zu entscheidende fremde Einflüsse seinen selbstgebrochenen Pfad weiter wandeln müsse. Sie, die es gewiss empfanden, dass es den Grossen und Vielvermögenden nicht nur ziere, dass es nicht nur ihm die Herzen gewinne, sondern auch ein wahres Verdienst um die Mit- und Nachwelt sey, wenn er ausgezeichneten Geistern von irgend einer Art Raum und freye Thätigkeit verschafft – sie, der Erzherzog Rudolph, der Fürst Lobkowitz und der Fürst Kinsky, fertigten dem Künstler, unter den ehrenvollesten und zugleich schonendsten Aeusserungen, ein Dokument aus, worin sie ihm – blos, damit er sorgenfrey seiner Kunst leben, und auch ohne Abhängigkeit vom Geschmack der gemeinern Menge, grosse, erhabene, vielumfassende Werke liefern könne – die jährliche Rente von viertausend Gulden zusichern; und zwar soll Beethoven diese Rente beziehen, bis er zu einer Anstellung gelangt, welche ihm wenigstens eben so viel einträgt, und im Fall, dass er durch Umstände irgend einer Art solch eine Anstellung zu finden verhindert würde, auf Lebenszeit. Der Künstler hingegen hat sich dafür zu nichts verbindlich zu machen, als dass er Wien oder einen andern Ort der österreichischen Erbstaaten zu seinem Aufenthalt wähle, und wenn er diese Staaten ja auf gewisse Zeit, etwa zum Vortheile seiner Kunst und andern Angelegenheiten zu verlassen geneigt sey, dies nur auf Fristen und im Einverständnis mit diesen seinen Gönnern geschehe."

3 Beethoven meint die politischen und militärischen Aktionen am Vorabend des fünften Koalitionskrieges (9.4.1809 Kriegserklärung Österreichs an Frankreich).

4 Beethoven hat offenbar nicht bemerkt, daß diese und die folgenden Opuszahlen bereits an Werke vergeben waren, die 1808 im Kunst- und Industrie-Comptoir veröffentlicht wurden. Die Cellosonate erschien tatsächlich zunächst als op. 59. In späteren Abzügen der Originalausgabe wurde die Zahl in 69 verbessert.

5 Noch vor Erscheinen der Originalausgabe in op. 67 korrigiert.

6 Noch vor Erscheinen der Originalausgabe in op. 68 korrigiert.

7 Vermutlich sind die Korrekturen angesprochen, die erst mit Brief 370 vom 28.3.1809 abgesandt wurden.

8 Die beiden Symphonien waren in der Akademie im Theater an der Wien am 22.12.1808 aufgeführt worden.

9 Beethoven hatte die Stichvorlagen der drei genannten Werke Gottfried Christoph Härtel im September 1808 übergeben.

10 Vermutlich ist der Pianist Friedrich Stein (1784 – 1809), der jüngste Sohn des Klavierbauers Johann Andreas Stein (Augsburg), gemeint, der 1804 seinen Geschwistern Matthäus Andreas und Nannette (verehelichte Streicher) nach Wien gefolgt war und bei Johann Georg Albrechtsberger Kompositionsunterricht nahm, s. Theodor Bolte, Die Musikerfamilien Stein und Streicher , in: Neue Musik-Zeitung 38 (1917), S. 322f. Stein hatte die im Wiener Kunst- und Industrie-Comptoir erschienene Bearbeitung von op. 60 für zwei Klaviere angefertigt. Es ist nicht bekannt, ob Breitkopf & Härtel das Angebot angenommen haben. Zur Ausführung ist es jedenfalls nicht gekommen, denn Stein ist bereits am 5.5.1809 gestorben.

11 Der Text der folgenden Dedikation ist von fremder Hand geschrieben, die Opusbezeichnung dagegen wieder von Beethoven.

12 Noch vor Erscheinen der Originalausgabe in op. 70 korrigiert.


© 1998 G. Henle Verlag, München