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Hilfe zur Benutzung der Brieftexte

Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

375. Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig

Vien am 5ten April [1809]

Hochgeehrtester Herr!

Mit vergnügen habe ich ihren Brief empfangen1 – für den Aufsaz in der M.[usikalischen] Z.[eitung]2 danke ich ihnen, nur wünsche ich, daß sie bey Gelegenheit, was Reichardt angeht, berichtigen laßen, ich wurde ganz und gar nicht von R. engagirt, im Gegentheil, der oberste Kammerherr +von seiner Majestät des Königs von Westphalen+ Graf Truchseß-Waldburg3 ließ mir den Antrag und zwar als erster Kapellmeister4 von Sr. M. von Westphalen machen, Dieser Antrag wurde mir gemacht, noch ehe Reichardtin Vien War,5 und er wunderte sich selbst darüber, wie er sagte, daß ihm von alle dem nichts zu ohren gekommen sey – R. gab sich alle mögliche Mühe mir abzureden, nicht dahin zu gehen – da ich überhaupt sehr viele ursache habe, den Kharakter des Hr. r. in Zweifel zu <sezen>ziehen, und er vieleicht gar selbst so etwas aus mehrern Politischen ursachen ihnen könnte mitgetheilt haben, so glaube ich, daß ich mehr Glauben auf jeden Fall verdiene, und daß sie bey der nächsten Gelegenheit +Es braucht eben keiner pompfhaften Widerrufung, jedoch muß die Wahrheit an Tag kommen+, die sich leicht finden läst, solches der Wahrheit nach einrücken laßen – da es für meine Ehre Wichtig ist6 – ich schicke ihnen mit nächster Post alle drey Werke das oratorium, oper, Messe7 – und verlange nicht mehr dafür, als 250 fl. in KonwenzionsGeld – ich glaube nicht, daß sie sich hierüber Beschweren werden – ich kann eben den Brief nicht finden, worin mir Simrock für die Messe auch 100 fl. in KonwenzionsGeld geben wollte,8 auch selbst hier könnte ich dieses und noch etwas mehr von der chemischen Druckerey9 dafür bekommen; – ich mache ihnen keine Schwenke, das wissen sie – ich schike ihnen jedoch alle 3 werke, weil ich überzeugt bin, daß sie mich nicht werden darunter leiden laßen – machen sie die überschriften ganz nach ihrem Beli[e]ben im Französischen –
das nächstemal erhalten sie wieder ein paar Zeilen über das andere – für heut ist es nicht möglich –

ihr ergebenster Freund und diener
Beethowen

Vergeßen sie mir den ersten Kapellmeister ja nicht, ich lache über d.g., aber Es gibt Miserabiles , die so etwas wissen nach der Köche Art aufzutischen



1 Nicht überliefert. Dieser Brief muß Beethoven nach dem 28.3.1809 erreicht haben, s. Brief 370 .

2 Gemeint ist die Nachricht vom 22.3.1809, AMZ 11 (1809), Sp. 395, s. Brief 359, Anm 2 .

3 Graf Truchseß-Waldburg war Oberkammerherr des königlichen Hauses von Westfalen.

4 Hier und am Ende des Briefes dreimal unterstrichen.

5 Johann Friedrich Reichardt war am 24.11.1808 in Wien eingetroffen, s. Brief 335 .

6 In Nr. 31 vom 3.5.1809 in der AMZ 11 (1809), Sp. 492, erschien die folgende Berichtigung: "In der Nachricht, Beethovens fortwährenden Aufenthalt in Wien betreffend, (No. 25. d.Z.) ist die Stelle zu berichtigen, dass diesem Künstler der Ruf nach Kassel durch Hrn. Reichardt zugekommen sey; B. erhielt denselben vielmehr durch den königl. westphäl. obersten Kammerherrn, Hrn. Grafen Truchsess-Waldburg, und zwar zum Amte eines ersten Kapellmeisters. Dass Hr. Reichardt nicht mehr in königl. westphäl. Diensten sey, berichten wenigstens mehrere öffentliche Blätter, und unwidersprochen."

7 Christus am Ölberge op. 85, Fidelio op. 72 und die Messe op. 86. Über diese Werke ist vermutlich in einem vorausgegangenen Brief vom März 1809 erneut verhandelt worden.

8 Möglicherweise bezieht sich Beethoven auf einen Brief Simrocks an Ferdinand Ries vom 12.3.1809, in dem dieser ein Honorar von 100 Gulden für op. 86 akzeptierte (Brief 366). Ein eigenes Schreiben an Beethoven ist nicht überliefert.

9 Ein kleinerer Wiener Verlag, von Alois Senefelder gegründet und später von Sigmund Anton Steiner übernommen. Von Verhandlungen mit Beethoven über op. 86 ist nichts bekannt.


© 1998 G. Henle Verlag, München