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Hilfe zur Benutzung der Brieftexte

Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

428. Beethoven an Baron Ignaz von Gleichenstein

[Wien, Februar 1810]1

ist es wircklich wahr? bist du hier? – abscheulicher, wortbrüchiger, treuloser, Verrätherischer, leichtsinniger, Freund! und doch Freund? – folgt ich meinem Herzen, so würde ich ohnerachtet allem Groll und Zorn, der in mir wider dich tobt, zu dir ge[e]ilt – aber nein – man muß sich lernen bemeistern – denn ihr andre ohne Herz lacht unser nur – selbst den autor hast du nicht einmal respektirt, mir keine antwort auf meine Dedication geschikt2 – ich erwarte dich morgen den Vormittag vor dem strengen Gericht der Freundschaft, sey Baron sey heimlicher Abgesandter, oder weiß der Himmel was, – ich bin schlechtweg nicht weniger und nicht mehr als dein höchst aufgebrachter Freund
Beethowen

meine wohnung in der Walfischgaße 1087 im 2ten Stock (Es ist ein H — — Hauß3 , du wirsts kennen.[)]

Hr. Baron Gleichenstein



1 Der Brief wurde bislang mit April 1809 datiert (Anderson Nr. 213). Nach Akten des Hofkriegsrates im Kriegsarchiv in Wien ist Gleichenstein aber Mitte Februar 1809 in geheimer Mission in den Südwesten Deutschlands und nach Frankreich gereist, um bei Ausbruch des fünften Koalitionskrieges die französischen Truppenbewegungen zu beobachten, und er kehrte erst ein Jahr später, im Februar 1810, nach Wien zurück. Aus Sicherheitsgründen trat er dort seine alte Stelle als Hofkriegskonzipist nicht wieder an. Er hatte sie zum Schein aufgegeben. Der vorliegende Brief ist unmittelbar nach Gleichensteins Rückkehr 1810 geschrieben worden.

2 Beethoven hatte Gleichenstein 1809 ein Widmungsexemplar der Cellosonate op. 69 geschickt (heute verschollen). Es soll in Anspielung auf die österreichische Niederlage im fünften Koalitionskrieg die eigenhändige Aufschrift "Inter Lacrimas et Luctum" getragen haben, s. Ernst Münch, Julius Schnellers Lebensumriß und vertraute Briefe an seine Gattin und seine Freunde , in: Julius Schnellers hinterlassene Werke , hrsg. v. Ernst Münch, Leipzig 1834, Bd. 1, S. 43ff.

3 Aufzulösen als "Huren-Hauß" ; Beethoven wohnte dort im Winter 1809/10. Das Haus gehörte seit dem 29.4.1808 dem Grafen Nikolaus Esterházy. Es ist sonst nicht bekannt, daß es in schlechtem Ruf stand.


© 1998 G. Henle Verlag, München