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Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

451. Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig

Wien am 2.ten Juli 1810.

Da sie ein so großer Freund von runden Summen, so überlasse ich ihnen die benannten Werke für ein Honorar von 250 # in Gold,1 wo ich aber auch nichts mehr nachlaßen kann, indem ich hier vermittelst meines Bruders2 mehr haben konnte, der Himmel gäbe nur, daß ich mich nicht immer erst, um etwas zu erhalten, herumschlagen muß mit ihnen. sie erhalten hier den 1.n Transport, welcher bis 1.ten September 1810 erscheinen soll und besteht aus einem Violinquartett in Es3 , aus einer Fantasie fürs Piano4 , 2 Sonaten fürs Piano5 , 5 Variationen fürs Piano6 , 6 Arietten7 .
Der zweite Transport besteht aus einem Conzert in Es8 , der Fantasie mit gantzem Orchester und Chören9 – aus 3 Arietten10 welches alles den 1n November erscheinen soll 1810.
Der dritte besteht aus der charakteristischen Sonate der Abschied, Abwesenheit, das Wiedersehn11 – sodann aus 5 italienischen Arietten12 , sodann aus Partitur von Egmont13 welcher nicht in <Wien sondern> England heraus kommt und sie können erscheinen lassen, wie sie wollen.
Diese können am 11.ten14 Februar 1811 erscheinen.
Diese zwei Transporte erhalten sie binnen 14 Tägen, sie können also bis dahin, indem ich die 2 letzten Transporte bei Hrn. Kunz und Compagnie abgeben werde, schon die Anweisung hierher verfügen. –

in Eile
Beethoven.


Anmerkungen.
Egmont ist ganz allein ihr Eigenthum
Ich habe gleich die zum ersten Transport gehörigen Werke bei Kunz und Compagnie abgegeben, damit sie sie ohne Verzug erhalten, übrigens bin ich aus mehreren Umständen überzeugt, daß es nicht möglich ist, daß um diese Zeit die im ersten Transport angegebenen Werke in London herauskommen,15 noch viel weniger, daß ein Exemplar davon nach Deutschland komme – und ebenso von den andern. Doch ist es gewiß für ihr Merkantilisches Beste durchaus nöthig, daß sie den 1.ten September herauskommen, d.h. die Werke des ersten Transport. Sie finden Manuscripte und abgeschriebene Werke16 , wie ichs am besten gefunden – Die Zeit ist zu kurz um alles über zu schreiben was mir noch einfällt, nächstens mehr. Leben sie wohl und antworten Sie bald

ihr ergebener Diener
Beethoven.



1 Der Verlag hatte lediglich 200 Dukaten in Gold angeboten, s. Brief 447 .

2 Vermutlich ist Kaspar Karl van Beethoven gemeint. Ob Beethovens Behauptung zutrifft, muß bezweifelt werden.

3 Op. 74.

4 Op. 77.

5 Op. 78 und op. 79.

6 Op. 76.

7 Op. 75.

8 Op. 73.

9 Op. 80.

10 Op. 83.

11 Op. 81a.

12 Op. 82.

13 Op. 84.

14 Vermutlich ist "1ten" gemeint.

15 Härtel schenkte den Versicherungen Beethovens keinen Glauben. Am 20.7.1810 beauftragte er einen in England lebenden Geschäftsfreund, den Buchhändler Hasse in Fulnek, mit Nachforschungen:
"Es liegt uns nämlich sehr viel daran, genau zu wissen, wenn, womöglichst, in welcher Woche diese Beethovenschen Sachen und 3 neuere Sonaten von Clementi in London herauskommen werden; denn daß sie dort herauskommen werden, das weiß ich schon mit Gewißheit. Ihnen wird es nicht an musikalischen Bekannten in London fehlen. Sie würden mich daher ungemein verbinden, wenn Sie die Güte haben wollten, einem Bekannten in London aufzutragen, daß er darauf acht habe, uns, was von diesen Sachen, und sobald es uns herauskommt, zu überschicken. Wahrscheinlich erscheinen auch die Beethovenschen Werke bei Clementi & Co., doch wissen wir dies nicht gewiß. (Wir haben uns gegen H. Clementi und H. Beethoven zu einem bedeutenden Honorar engagiert in der Versicherung, daß dort jene Werke nicht früher als bey uns erschienen, und es liegt uns der Zukunft wegen daran, von einem so zuverlässigen Manne, als Sie sind, zu erfahren, wie es damit gegangen ist."
Siehe Max Unger, Muzio Clementis Leben , Langensalza 1914, S. 180f. Tatsächlich erschienen die an Clementi verkauften Werke Beethovens in London eher als bei Breitkopf & Härtel in Leipzig. Op. 77 – 79 und op. 75, Nr. 1 – 5 wurden am 31.8.1810 in Stationers Hall registriert, op. 76 sogar schon am 18.8.1810, s. Alan Tyson, The Authentic English Editions of Beethoven , London 1963, S. 59 – 68.

16 Der Verlag hatte "Originalmanuskripte" , d.h. Beethovens eigenhändige Niederschriften, gewünscht, da er in den Kopistenabschriften zu viele Fehler vermutete, s. Brief 447 . Ähnlich hatte sich zuvor auch Beethoven geäußert, s. Brief 408 .


© 1998 G. Henle Verlag, München