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Hilfe zur Benutzung der Brieftexte

Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

607. Beethoven an Fürstin Maria Charlotte Kinsky1

[Wien, 30. Dezember 1812]2

Verehrte Fürstin!

Da der Fürstliche Rath3 erklärte, daß meine Sache erst nach einer Wahl eines Vormundes4 könne Vorgenommen werden, ich nun aber höre, daß Ihro durchlaucht selbst die Vormundschaft in höchst eigner Person übernommen haben, sie aber Niemanden sprechen, so lege ich hier schriftlich meine gehorsamste Bitte an sie bey,5 und bitte zugleich um eine sehr baldige Beförderung, Denn leicht, werden sie sich vorstellen können, wenn man einmal auf etwas sicher rechnet, Es schmerzlich ist, solches so lange entbehren zu müßen, um so mehr, da ich einen Unglücklichen kranken Bruder samt seiner Familie gänzlich unterstüzen muß,6 und mich ohne Rücksicht meiner selbst ganz ausgegeben, indem ich hoffen konnte, durch die erhebung meines Gehalts wenigstens meinen Lebens Unterhalt zu bestreiten, Wie Wahrhaftig übrigens meine Forderungen sind, können sie daraus sehen, daß ich die 60 # , welche der Hochseelige Fürst mir in Prag auf Abschlag derselben gegeben, getreulich angegeben, indem der Fürstliche Rath selbst sagte, daß <er>ich diese erhaltene Summe hätte verschweigen können, da vom Hochseligen Fürsten weder ihm noch dem Kassier7 etwas darüber zuwissen gemacht worden. –
Verzeihen sie mir ihnen in dieser Sache beschwerlich fallen zu müßen, allein die Noth gebeut es mir, in einigen Tägen werde ich mir die Freyheit nehmen mich deswegen bey dem Fürstlichen Herrn Rath, oder wo sie mir es sonst die gnade haben werden, mir es anzuzeigen, < – >anfragen. –

Verehrte durchlauchtige Fürstin ihr Ergebener Diener

ludwig van Beethowen



1 Maria Charlotte (Caroline) Fürstin Kinsky von Wchinitz und Tettau (1782 – 1823), geb. Freiin von Kerpen, seit 1801 verheiratet mit Fürst Ferdinand Johann Nepomuk Kinsky (1781 – 1812).

2 Der vorliegende Brief war ein persönliches Begleitschreiben zu Brief 608 vom 30.12.1812.

3 Gemeint ist der fürstlich Kinskysche Wirtschaftsrat Johann Michael Obermiller (Obermüller; um 1757 – 1829).

4 Fürst Ferdinand Kinsky war am 3.11.1812 infolge eines Reitunfalls gestorben. Seine Erben, die Söhne Fürst Rudolph Kinsky (1802 – 1836) und Graf Joseph Kinsky (1806 – 1862), waren noch minderjährig. Sie wurden unter die Vormundschaft ihrer Mutter gestellt. Zum Mitvormund wurde ihr Onkel Franz Anton Graf von Kolowrat-Liebsteinsky (1778 – 1861), Oberstburggraf zu Prag, ernannt.

5 Brief 608 , bis auf die Unterschrift von Franz Oliva geschrieben.

6 Kaspar Karl van Beethoven war an Schwindsucht erkrankt.

7 Wohl Johann Geyling, vgl. Vaclav Kratochvil, Beethoven und Fürst Kinsky , in: Beethovenjahrbuch II (1909), S. 25, wo in einem Schreiben des Fürsten Ferdinand Kinsky an seine Wiener Kasse vom 20.6.1810 Geyling namentlich genannt wird.


© 1998 G. Henle Verlag, München