Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen
Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für
Münzen und
Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen
Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo,
Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).
Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein
Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.
Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.
763. Beethoven an Antonie Brentano1 in Frankfurt
[Wien, Ende 1814]2
1 Johanna Antonia (Toni) Josepha Brentano geb. von Birkenstock (1780 – 1869), Tochter von Johann Melchior von Birkenstock (1738 – 1809), seit 1798 mit Franz Brentano (1765 – 1844) verheiratet, dem Halbbruder von Clemens und Bettina Brentano. Im Herbst 1809 zog sie mit ihrer Familie von Frankfurt in ihre Heimatstadt Wien, um ihren Vater zu pflegen und dessen Nachlaß aufzulösen. 1810 wurde sie mit Beethoven bekannt, der mit ihrer Familie im Sommer 1812 einige Wochen in Karlsbad und Franzensbad (Böhmen) verbrachte. Im Herbst 1812 kehrten die Brentanos nach Frankfurt zurück, doch blieb der Kontakt bestehen. Franz und Antonie Brentano unterstützten Beethoven 1813/14 in einer finanziell für ihn sehr schwierigen Zeit mit Darlehen. Sie halfen ihm in Fragen der auswärtigen Erziehung des Neffen Karl und streckten ihm 1820 das Honorar für die Missa solemnis vor. Maynard Solomon hält Antonie Brentano für die Adressatin von Beethovens Liebesbrief vom 6./7. Juli 1812 (Brief 582), s. seine Biographie Beethoven , München 1979, S. 196 – 206.
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Der Brief wurde vermutlich Ende 1814 geschrieben, als sich die Beilegung des Streites mit der Familie des Fürsten Kinsky und mit Fürst Lobkowitz wegen Beethovens Gehalt abzeichnete. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit einem Eintrag in Beethovens Tagebuch, der in dieselbe Zeit fällt und ebenfalls die finanzielle Unterstützung durch die Familie Brentano bezeugt, vgl. Maynard Solomon, Beethovens Tagebuch , hrsg. v. Sieghard Brandenburg, Bonn 1990, S. 53 und S. 136 (Kommentar zu Eintrag Nr. 33).
Andersons Datierung (Nr. 659) mit, "September 29, 1816" ist irrig. Sie beruht auf einer dem Autograph beigelegten maschinengeschriebenen Notiz ("An Frau Antonia v. Brentano/29.Sept. 1816/2 Teile"), die sich auf Brief 978 bezieht.
3 Johann Martin Pacher, Mitinhaber der Wiener Großhandlung Oßwald, Pacher et Comp. (ab 1816 J.M. Pacher & Co.).
4 Auf dem Umschlagblatt. Die obere Hälfte mit dem Namen der Empfängerin ist abgerissen.