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Hilfe zur Benutzung der Brieftexte

Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

789. Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig

vien am 10ten März 1815

Mein wertherster H[err]!

Sie würden mich verkennen, wenn sie mich irgend der Vergessenheit ihrer beschuldigten – was hat sich alles, seit der Zeit ich ihnen von Tepliz das leztemal geschrieben,1 zugetragen? vielmehr böses als gutes! – doch von so etwas einmal eher Mündlich, wenn ich mit der Herausgabe meiner vielen neuern werke zögere,2 so ist es wohl der Ungewißheit aller Dinge, die im Menschlichen Verkehr statt finden, zuzuschreiben, denn was war gewiß in dieser rüksicht und was ist noch gewiß? – Umstände wie Geldaufnahmen zwangen mich mit einem verleger von hier einige verbindungen einzugehen,3 wie?, werden sie schon bald erfahren, dann glaube ich, daß ich wieder mit ihnen werde leichter mich vereinigen können – viel Dank für ihre Musik.[alische] Z.[eitung], ich werde ihnen nächstens einmal etwas für sie einschicken –
Was die Dämonen der Finsterniß angeht, so sehe ich, daß diese auch bey dem hellsten Licht unsrer Zeit sich nie ganz werden zurückscheuchen laßen. – Jemand meiner bekannten wünscht chladni's4 Aufenthalt zu wissen, geben sie mir doch gütigst nachricht hierüber, im Vorbeygehn – bey ihren lezten Heften der Musik. Z. waren glaube ich auch Musikalien aufgeschrieben, welche ich erhalten sollte, doch erhielt ich nichts, vieleicht ist es ein Irrthum – oder Traegheit des Hr. Traeg5 !!! –
nun leben sie recht wohl, ihr jeziges politisches Daseyn will mir auch nicht recht gefallen,6 allein – allein – allein – die noch nicht erwachsenen Kinder brauchen nun einmal Puppen – so ist nichts mehr zu sagen –

in Eil ihr wahrhaft ergebenster
Beethowen
An Breitkopf und Härtel in Leipzig7 (in Sachsen)



1 Der letzte erhaltene Brief Beethovens an Breitkopf & Härtel datiert vom 17.9.1812 und ist in Teplitz geschrieben (Brief 593).

2 Beethoven hatte seit 1811 außer einigen Liedern und Volksliedbearbeitungen keine Kompositionen mehr in Druck gegeben.

3 Am 25.12.1813 hatte Beethoven eine Schuldforderung von 1500 Gulden Wiener Währung gegen seine Schwägerin Johanna an den Wiener Verleger Sigmund Anton Steiner abgetreten. Der Betrag sollte in zwei Raten innerhalb von neun Monaten gezahlt werden. Nachdem die Termine verstrichen waren, hatte Steiner am 14.9.1814 eine Vormerkung auf die der Schwägerin gehörende Hälfte des Hauses Nr. 121 in der Alservorstadt erwirkt. Daraufhin hatte Beethoven die Schuld übernommen und Steiner gegen eine Fristverlängerung von drei Monaten unentgeltlich "seine ganz neue noch nirgend im Stich erschienene Claviersonate mit oder ohne Begleitung eines anderen Instrumentes" und das Vorkaufsrecht von weiteren Kompositionen zugestanden, s. Max Reinitz, Beethovens Prozesse , in: Deutsche Rundschau 162 (1915), S. 251 und 254. Möglicherweise hat sich Beethoven auch seine Gehaltsforderungen gegenüber Fürst Lobkowitz und den Erben des Fürsten Kinsky von Steiner beleihen lassen.

4 Ernst Florens Friedrich Chladni (1756 – 1827), deutscher Wissenschaftler, studierte in Leipzig Jura, wandte sich jedoch später der naturwissenschaftlichen Untersuchung akustischer Phänomene zu und entdeckte die nach ihm benannten Klangfiguren. Bereits 1787 erschien in Leipzig sein Buch Entdeckungen über die Theorie des Klanges. Sein Hauptwerk ist das Buch Die Akustik, das 1802 von Breitkopf & Härtel in Leipzig veröffentlicht wurde.

5 Breitkopf & Härtel hatten Beethoven verschiedentlich als Ausgleich für ihre geringen Honorare Partituren aus ihrem Verlag angeboten, die er bei ihrem Wiener Kommissionär Johann Traeg in Empfang nehmen konnte.

6 Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses mußte das Königreich Sachsen erhebliche territoriale Einbußen hinnehmen. Auch Leipzig sollte von Preußen annektiert werden.

7 Von fremder Hand durchgestrichen und darüber " Leipzig" notiert.


© 1998 G. Henle Verlag, München