Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen
Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für
Münzen und
Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen
Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo,
Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).
Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein
Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.
Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.
789. Beethoven an Breitkopf & Härtel in Leipzig
vien am 10ten März 1815
1 Der letzte erhaltene Brief Beethovens an Breitkopf & Härtel datiert vom 17.9.1812 und ist in Teplitz geschrieben (Brief 593).
2 Beethoven hatte seit 1811 außer einigen Liedern und Volksliedbearbeitungen keine Kompositionen mehr in Druck gegeben.
3 Am 25.12.1813 hatte Beethoven eine Schuldforderung von 1500 Gulden Wiener Währung gegen seine Schwägerin Johanna an den Wiener Verleger Sigmund Anton Steiner abgetreten. Der Betrag sollte in zwei Raten innerhalb von neun Monaten gezahlt werden. Nachdem die Termine verstrichen waren, hatte Steiner am 14.9.1814 eine Vormerkung auf die der Schwägerin gehörende Hälfte des Hauses Nr. 121 in der Alservorstadt erwirkt. Daraufhin hatte Beethoven die Schuld übernommen und Steiner gegen eine Fristverlängerung von drei Monaten unentgeltlich "seine ganz neue noch nirgend im Stich erschienene Claviersonate mit oder ohne Begleitung eines anderen Instrumentes" und das Vorkaufsrecht von weiteren Kompositionen zugestanden, s. Max Reinitz, Beethovens Prozesse , in: Deutsche Rundschau 162 (1915), S. 251 und 254. Möglicherweise hat sich Beethoven auch seine Gehaltsforderungen gegenüber Fürst Lobkowitz und den Erben des Fürsten Kinsky von Steiner beleihen lassen.
4 Ernst Florens Friedrich Chladni (1756 – 1827), deutscher Wissenschaftler, studierte in Leipzig Jura, wandte sich jedoch später der naturwissenschaftlichen Untersuchung akustischer Phänomene zu und entdeckte die nach ihm benannten Klangfiguren. Bereits 1787 erschien in Leipzig sein Buch Entdeckungen über die Theorie des Klanges. Sein Hauptwerk ist das Buch Die Akustik, das 1802 von Breitkopf & Härtel in Leipzig veröffentlicht wurde.
5 Breitkopf & Härtel hatten Beethoven verschiedentlich als Ausgleich für ihre geringen Honorare Partituren aus ihrem Verlag angeboten, die er bei ihrem Wiener Kommissionär Johann Traeg in Empfang nehmen konnte.
6 Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses mußte das Königreich Sachsen erhebliche territoriale Einbußen hinnehmen. Auch Leipzig sollte von Preußen annektiert werden.
7 Von fremder Hand durchgestrichen und darüber " Leipzig" notiert.