Ue
Beethoven-Haus Bonn Hilfe
schließen ×

Hilfe zur Benutzung der Brieftexte

Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

850. Beethoven an Antonie Brentano in Frankfurt

[Wien, Anfang November 1815]1

Verehrteste Freundin!

da ich hörte, daß Sie in Verbindung mit Geimüller2 sind, und füge ihnen daher das Zeugniß davon bey – die Schein3 führen wircklich mit recht ihren Namen – mir thut es leid, daß sie bey ihrer großmüth gegen mich dieses auch fühlen müßen – wirklich ist unsre Lage durch diesen erbärmlichen Finanzzustand, wovon kein Ende zu hoffen, <jedes>wieder sehr jämmerlich geworden –
eine andere Angelegenheit, die ich ihnen vortragen muß, Es ist wegen einem Pfeifenkopf! Pfeifenkopf? – unter den Indiwiduen (welche Anzahl in's unendliche geht), die leiden, ist auch mein Bruder, der sich seiner schlechten Gesundheit wegen pensioniren muste laßen,4 der Zustand ist sehr hart zur jezigen Zeit, ich thue, was mir nur möglich, allein es klekt nicht – Er besizt einen Pfeifenkopf, welchen er glaubt, in Frankfurt am besten anzubringen, Seinem kränklichen Zustand ist schwer etwas abzuschla[gen]* und in dieser Rücksicht nehme ich mir die Freyheit Sie zu bitten ihm zu erlauben, ihnen diesen Pfeifenkopf zu schicken, bey ihnen kommen beständig so viele Menschen, wo es vieleicht ihnen glückt, ihn anzubringen – Mein Bruder glaubt 10 Louisdor würden Sie vieleicht dafür erlangen – ich überlaße das ihrer weißheit – er braucht viel, muß sich Pferd und wagen halten, um leben zu können (denn Sein leben ist ihm sehr lieb), so wie ich das meinige gern verlöhre!!
leben sie wohl verehrte Freundin ich grüße Franz von Herzen wünsche ihm das Seeligste, frohste Leben. auch ihre lieben Kinder grüßet

ihr wahrer verehrer und Freund
Beethowen

An die Frau Antonia von Brentano gebohrn edle von Birkenstock in Frankfurt (am Mayn) abzugeben in der Gallengaße im schillingschen Hause, 2-ter Stock.



1 Der Brief wurde vermutlich nach dem Bescheid der Direktion der Staatsschuldenkasse vom 23.10.1815 (Brief 842) geschrieben, wodurch Kaspar Karl van Beethoven aufgefordert wurde, am 2.11.1815 seinen Dienst wieder anzutreten. Er starb am 15.11.1815.

2 Gemeint ist die Großhandlung (Bankhaus) Geymüller & Comp. in der Wallnergasse Nr. 283.

3 Kastner/ Kapp (Nr. 524) und andere lesen irrtümlich "Schwein" . Es geht vermutlich um die Rückzahlung eines der Darlehen, welche Beethoven in den Jahren 1813/14 bei Franz und Antonie Brentano aufgenommen hatte.

4 Kaspar Karl van Beethoven hatte bereits am 8.3.1815 aus Krankheitsgründen um Beurlaubung angesucht und offenbar in der Folge seinen Dienst längere Zeit nicht versehen. Regelrecht pensioniert, wenn das hier gemeint ist, kann er aber vor Ende Oktober/Anfang November 1815 noch nicht gewesen sein, da er am 23.10.1815 erneut zum Dienstantritt aufgefordert wurde, s. Brief 842 .


© 1998 G. Henle Verlag, München