Ue
Beethoven-Haus Bonn Hilfe
schließen ×

Hilfe zur Benutzung der Brieftexte

Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

865. Beethoven an das niederösterreichische Landrecht

(Entwurf)

[Wien, vor dem 20. Dezember 1815]1

weder Haußhälterin noch Frau2 , dem Puz unmäßig ergeben, so faul u. träge, daß ich selbst, da mein armer Bruder ohnedem wegen seiner Krankheit immer litte, Sie mahnte zu arbeiten. – Noch kurz vor seinem Tode3 nahm sie ohne sein wissen 200 fl. auf, obschon ich ihre Handlungen nie vertheidigen konnte noch viel weniger loben, hielt ich doch meines Bruders Zorn von ihr ab, man denke sic[h], daß jeder verdruß dem armen Mensch sein Leben in Gefahr sezte, den Karakter dieses weibes. –
bey seiner jezigen Krankheit suchte sie mir auf alle weise seinen schlechten Zustand zu verhelen, ich wußte nichts, daß ein Testament gemacht wurde, jedoch kam ich dazu, wenn wirklich das original <sich>so <findet> ist, wie ich es gesehen, so müßen sich stellen ausgestrichen finden,4 hiezu veranlaßte ich meinem Bruder, indem ich durchaus an ein solches schlechtes Weib bey einer so wichtigen Sache wie die Erziehung des Kindes nicht gebunden seyn wollte, eben so wenig als im Verein des dr. S.5 da ich wußte, daß sie beständig zu ihm gieng, und er mir zu warm Parthey für Sie zu nehmen schien. – alles, was die vormundschaft betraf, wurde in das Testament gesezt, wie ich es Meinen



1 Der vorliegende Entwurf steht in Zusammenhang mit Beethovens Eingabe an das niederösterreichische Landrecht vom 20.12.1815. Die Formulierung "bei seiner jezigen Krankheit" und die Frische der Erinnerung an die Abfassung des Testamentes seines Bruders bezeugen, daß die referierten Ereignisse kurze Zeit zurückliegen.

2 Gemeint ist Johanna van Beethoven.

3 Beethovens Bruder Kaspar Karl war am 15.11.1815 gestorben.

4 Beethoven bezieht sich auf Paragraph 5 des Testamentes, wo die Einsetzung Johannas zum Vormund ihres Sohnes gestrichen ist. Der erste Satz dieses Paragraphen lautete ursprünglich, wie das im Wiener Stadt- und Landesarchiv befindliche Original zeigt: "Nebst meiner Gattin bestimme ich zum Mitvormunde meinen Bruder Ludwig van Beethoven" . Durch Streichung der entsprechenden Wörter wurde daraus: "5tens Bestimme ich zum Vormunde meinen Bruder Ludwig van Beethoven" .

5 Gemeint ist Dr. Johann Michael Schönauer, der Kurator der Verlassenschaft Kaspar Karl van Beethovens. In Paragraph 6 des Testamentes war ursprünglich bestimmt worden, daß Schönauer auch in allen Angelegenheiten zu Rate gezogen werden sollte, welche "die oeffentliche Erziehung" des Mündels betrafen. Die entsprechenden Wörter wurden vermutlich ebenfalls auf Veranlassung Beethovens gestrichen.


© 1998 G. Henle Verlag, München