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Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

898. Beethoven an Nikolaus Zmeskall

Freytag am 9ten Februar [1816]1

Mein werther Z !

Mit schrecken sehe ich erst heute, daß ich den Antrag wegen einem oratorium für die Gesellschaft der MusikFreunde des Österreichischen Kaiserstaats zu schreiben noch nicht beantwortet habe,2 der Tod meines Bruders vor 2 Monathen die mir dadurch zugefallne vormundschaft über meinen Neffen mit so vielerley andern dabey verdrießlichen Ereignissen ist Ursache meines so spät kommenden Schreibens – Unterdessen ist das Gedicht schon von H.[errn] v. Seyfried3 hiefür schon angefangen, u. ich werde ebenfalls bald dasselbe in Musik sezen, daß mir der Auftrag sehr Ehrenvoll ist, brauche ich ihnen wohl nicht zu sagen, das versteht sich wohl von sellbst, auch werde ich mich sicher desselben, so sehr es mir nur immer meine schwachen Kräfte erlauben, so würdig als möglich zu entledigen. –
In Rücksicht der KunstMittel, was die Ausführung betrift, werde ich zwar Rücksichten nehmen, wünsche aber nicht, daß es mir nicht vergönnt seyn soll, von den hierin bisher eingeführten Formen abzugehn.4 – ich hoffe mich hierüber verständlich ausgedrükt zu haben. – da man durchaus wissen will, welches honorar ich verlange, so frage ich mich an, Ob die Gesellschaft 400 dukaten in Gold wenigstens einem solchen werk wird angemessen finden?5 – ich bitte die gesellschaft noch einmal sehr um Verzeihung wegen verspätung meiner Antwort, unterdessen haben sie wenigstens lieber Z , meine Bereitwilligkeit dieses Werk zu schreiben, auch gewiß mündlich schon berichtet,6 welches mich einigermaßen beruhigt.

Mein werther Z. ihr mit Achtung verharrender Freund
ludwig van Beethowen



1 Die Jahreszahl ergibt sich aus der Erwähnung des Todes von Beethovens Bruder "vor 2 Monathen" . Kaspar Karl van Beethoven war am 15.11.1815 gestorben.

2 Der Auftrag war am 9.11.1815 beschlossen und von Zmeskall überbracht worden, wie aus einem auf Aktenstücken der Gesellschaft beruhenden, anonym überlieferten Bericht hervorgeht (Bonn, Beethoven-Haus BH 222):

"Bey der Sitzung vom 9. November 1815 wurde unter dem Vorsitze S.r Exz. des Hrn. Grafen von Appony, damahligen Präsidenten, einhällig beschlossen, den Herrn van Beethoven zur Komposizion eines großen Oratoriums für die Gesellschaft einzuladen. Seinem vieljährigen Freunde und Verehrer, Herrn von Zmeskall, ward aufgetragen, ihm den Vorschlag zu machen. Die Gesellschaft wollte sich nur den ausschließenden Besitz des Werkes auf Ein Jahr bedingen, nach welchem Beethoven über seine Arbeit frey sollte verfügen können. Was er dafür als Honorar verlange, sollte er selbst äußern. Beethoven hatte den Antrag mißverstanden; er meinte, nur einzelne Mitglieder hätten ihm den Vorschlag gemacht, und erst lang nachher, nachdem ihm dieser Irrthum benommen war, schrieb er an Herrn van Zmeskall [...]".

Es folgt der vorliegende Brief. Der Schreiber des offenbar erst nach Beethovens Tod angefertigten Berichts ist ein gewisser Franz Peutlschmied, Billetteur und Kanzleischreiber bei der Gesellschaft der Musikfreunde.

3 Vermutlich Joseph Ritter von Seyfried (1780 – 1849), der Bruder des Komponisten Ignaz Ritter von Seyfried. Er war von 1801 bis 1806 Sekretär und Theaterdirektor im Theater an der Wien. Ab 1811 war er bei verschiedenen Wiener Zeitschriften als Redakteur tätig, ehe er 1828 bis 1843 die Funktion eines Kanzleidirektors am Kärntnertortheater ausübte. Goedeke (11/II S. 380ff.) weist über 70 dramatische Schriften Joseph von Seyfrieds nach.

4 Im genannten Bericht (Anm. 2) heißt es dazu: " H. v. Zmeskall hatte zugleich die Weisung erhalten, den genialen Tonsetzer, der auf die Schwierigkeit der Ausführung seiner Werke wenig Rücksicht nahm, aufmerksam zu machen, daß er auf die Größe des Orchesters, welches sich bey den großen Concerten auf siebenhundert Köpfe belief, nothwendig werde Rücksicht nehmen müßen."

5 Die Gesellschaft machte, laut dem oben genannten Bericht, einen Gegenvorschlag, der um 100 Dukaten niedriger war: "Da sich die Gesellschaft nur den ausschließenden Gebrauch für ein Jahr, nicht das Eigenthum selbst, bedingen wollte, und überdieß die besondere Honorirung des Gedichtes übernommen hatte, auch ihre Geldmittel zu Rathe ziehen mußte, erwiederte sie dem Tonsetzer, daß sie bereit sey, ihm für den bedungenen Gebrauch 300 # in Gold zu bezahlen. Beethoven war ohne die geringste Einwendung zu machen, zufrieden" .

6 Das Protokoll der Sitzung des Repräsentantenkörpers der Gesellschaft vom 22.12.1815 (Wien, Gesellschaft der Musikfreunde, Sitzungsprotokoll 23/1815) hält fest: " S. Exzl. der H. Präses melden, daß H. Ludwig van Beethoven durch H. v. Zmeskall sich bereit erklärt habe, ein großes Werk für die Gesellschaft zu liefern, und daß der leitende Ausschuß seinen Bedingungen entgegensehe" .


© 1998 G. Henle Verlag, München