Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen
Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für
Münzen und
Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen
Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo,
Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).
Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein
Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.
Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.
898. Beethoven an Nikolaus Zmeskall
Freytag am 9ten Februar [1816]1
1 Die Jahreszahl ergibt sich aus der Erwähnung des Todes von Beethovens Bruder "vor 2 Monathen" . Kaspar Karl van Beethoven war am 15.11.1815 gestorben.
2 Der Auftrag war am 9.11.1815 beschlossen und von Zmeskall überbracht worden, wie aus einem auf Aktenstücken der Gesellschaft beruhenden, anonym überlieferten Bericht hervorgeht (Bonn, Beethoven-Haus BH 222):
3 Vermutlich Joseph Ritter von Seyfried (1780 – 1849), der Bruder des Komponisten Ignaz Ritter von Seyfried. Er war von 1801 bis 1806 Sekretär und Theaterdirektor im Theater an der Wien. Ab 1811 war er bei verschiedenen Wiener Zeitschriften als Redakteur tätig, ehe er 1828 bis 1843 die Funktion eines Kanzleidirektors am Kärntnertortheater ausübte. Goedeke (11/II S. 380ff.) weist über 70 dramatische Schriften Joseph von Seyfrieds nach.
4 Im genannten Bericht (Anm. 2) heißt es dazu: " H. v. Zmeskall hatte zugleich die Weisung erhalten, den genialen Tonsetzer, der auf die Schwierigkeit der Ausführung seiner Werke wenig Rücksicht nahm, aufmerksam zu machen, daß er auf die Größe des Orchesters, welches sich bey den großen Concerten auf siebenhundert Köpfe belief, nothwendig werde Rücksicht nehmen müßen."
5 Die Gesellschaft machte, laut dem oben genannten Bericht, einen Gegenvorschlag, der um 100 Dukaten niedriger war: "Da sich die Gesellschaft nur den ausschließenden Gebrauch für ein Jahr, nicht das Eigenthum selbst, bedingen wollte, und überdieß die besondere Honorirung des Gedichtes übernommen hatte, auch ihre Geldmittel zu Rathe ziehen mußte, erwiederte sie dem Tonsetzer, daß sie bereit sey, ihm für den bedungenen Gebrauch 300 # in Gold zu bezahlen. Beethoven war ohne die geringste Einwendung zu machen, zufrieden" .
6 Das Protokoll der Sitzung des Repräsentantenkörpers der Gesellschaft vom 22.12.1815 (Wien, Gesellschaft der Musikfreunde, Sitzungsprotokoll 23/1815) hält fest: " S. Exzl. der H. Präses melden, daß H. Ludwig van Beethoven durch H. v. Zmeskall sich bereit erklärt habe, ein großes Werk für die Gesellschaft zu liefern, und daß der leitende Ausschuß seinen Bedingungen entgegensehe" .