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Hilfe zur Benutzung der Brieftexte

Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

929. Beethoven an Johann Nepomuk Kanka in Prag

[Wien,] 1. Mai [1816]1

am ersten May!!!!! wo Beethowen um 600 fl. Schein u. wieder schein u. gar nichts als um Schein schreiben muste.2

Mein verehrtester K !

wenn ich ihnen nicht viel schreibe oder gar nicht, nun so weiß ich, sie deuten es nur so, wie es wirklich ist, die wahrheit bleibt in einem guten Gemüthe auch ohne schriftzüge u hiebey mag es wohl mit unß beyden aushalten –
Schon das vorige mal erhielt ich meine Pension von Kynsky <3>2 oder wenigstens 3 Monathe später,3 auch jezt erhalte ich dieses elende Geld nicht zu rechter Zeit, am 1-ten April schon hätte ich es in Prag müßen erheben können,4 Baron Pasqualati5 schrieb an das Hauß Balla-bene in Prag,6 damit sie diese halbjährlichen 600 fl. einkaßiren sollten, allein bis dato <schon>noch keine Antwort auf 2 schreiben7 von diesen KaufHunden wollte ich sagen Kaufleuten, woran es nun das vorigemal gelegen, u. woran jezt, daß man mir ohnedieß diesen geschmälerten mir mit Unrecht verkürzten Gehalt8 nicht einmal zur gehörigen Zeit verabfolgen läßt, das weiß ich nicht, ich ersuche Sie daher, mir ihre Freundschaftliche Dienstfertigkeit hierin wieder zu widmen und mir sobald als möglich die Ursache dieser widerrechtlichen Behandlung zu erklären, u. sonst zu thun was möglich, damit ich diesen Bettel wenigstens doch erhalte; – von allen wieder im Verlust durch die ZeitUmstände, ist mein Gehalt kaum mehr für 3 Monathe viel weniger für 12 hinreichend,9 so sieht es denn10 aus, in diesem Monarchischen Anarchischen Österreich!!!!!!!!
Der Fürstin Kynsky ist eben eine dedication auf der Post von mir an selbe übergeben worden,11 hie<bey>zu werde ich <werde ich> denn noch einen Brief nachsenden,12 worin ich in der Respektvollsten Manier um das anhalten werde, was mir rechtsmäßig zukommt – wenn ich ihnen die versprochenen Sonaten noch nicht geschikt, so ist es deswegen, weil selbe bald herauskommen,13 da jeder Stich besser als schrift. – wegen Wolf werde ich bald möglichst auf ein Geschenk sinnen14 – meine Lage ist indessen reicher u. ärmer geworden, ich habe dasKindmeinesBrudersgänzlich zu versorgen.15 – ich umarme sie herzlich und bin wie immer mit wahrer Hochachtung

der Ihrige
ludwig van Beethowen

An Seine wohlgebohrn Herrn Johann Kanka Doktor der Rechte im Königreiche Böhmen in Prag (in Böhmen) abzugeben auf dem Altstädter Ring



1 Die Jahreszahl ergibt sich aus dem Zusammenhang mit Brief 930 und der Vollmacht für Kanka vom 2.5.1816.

2 Dieser Absatz ist von Beethoven nachträglich eingefügt.

3 Beethovens Gehaltsquittung vom vorhergehenden Halbjahr (April bis September 1815) datiert vom 31.10.1815. Die Auszahlung wird noch später erfolgt sein.

4 Beethoven hatte die Quittung über sein Gehalt für den Zeitraum von Oktober 1815 bis März 1816 etwa am 26.3.1816 ausgestellt und sicherlich bald darauf nach Prag geschickt.

5 Johann Baptist Pasqualati in Wien.

6 Ballabene, ein Handels- und Bankhaus in Prag, s. Anton Redl, Handlungs Gremien und Fabricken Addressen Buch des Oesterreichischen Kaiserthumes für das Jahr 1816 , Wien, S. 340f.

7 Diese Briefe sind nicht überliefert.

8 Entgegen der ursprünglichen Zusage des verstorbenen Fürsten Ferdinand Kinsky, Beethovens Gehalt im Nominalwert von 1800 Gulden in Einlösungsscheinen auszuzahlen, wurde vom böhmischen Landrecht am 18.1.1815 ein Betrag von 1200 Gulden Wiener Währung festgesetzt.

9 Durch kurzfristige Wiedereinführung des Silberguldens (Konventionsmünze) als Zahlungsmittel war es 1816 zu einer starken Abwertung des Papiergeldes (Wiener Währung) gekommen.

10 Ursprüngliche Wortfolge: "denn es" ; Umstellung durch Bezifferung.

11 Das Widmungsexemplar von op. 94, s. Brief 926 .

12 Ein solcher Brief ist nicht erhalten.

13 Beethoven meint wahrscheinlich die Violinsonate op. 96 (erschienen im Juli 1816) und das Klaviertrio op. 97 (erschienen im September 1816).

14 Der Prager Anwalt Anton Wilhelm Wolf hatte Beethoven 1813/14 in der Verhandlung mit den Erben des Fürsten Kinsky vertreten.

15 Beethoven hatte am 19.1.1816 die Vormundschaft über seinen Neffen Karl übernommen und diesen am 2.2.1816 in das Erziehungsinstitut Giannattasio gegeben. An den Unterhaltskosten beteiligte sich die Mutter bislang noch nicht.


© 1998 G. Henle Verlag, München