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Hilfe zur Benutzung der Brieftexte

Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

933. Beethoven an Ferdinand Ries in London

Vien am 8ten May 1816

Mein lieber Ries !

Meine Antwort komm[t] etwas spät auf ihren Brief1 , allein immer krank u. viel zu thun War es nicht möglich ihnen eher zu antworten; – nun e[r]st das Nöthigste – von den 10 # in Gold ist bis jezt noch kein Heller angekommen,2 <bey> ich fange schon an zu glauben, daß auch die Engelländer nur in England großmüthig sind, so auch mit den Prinzregenten von demich [sic] für meine überschickte schlacht nicht einmal die Kopiaturkosten erhalten, ja nicht einmal eine[n] schriftlichen <ode>noch mündlichen Dank,3Frießzogen mir hier noch 6 fl. Konwenzions Geld ab, bey dem empfangenen Gelde von Birchall, außerdem für Porto 15 fl. Konwen- zionsGeld,4 sagen sie dieses B. – u. sehn sie <ob>daß sie noch selbst die Anweisung auf die 10 # erhalten, sonst gehts wie das erstemal. – was sie mir von der Unternehmung vonNeatesagen, wäre erwünscht für mich,5 ich brauche es, mein Gehalt beträgt 3400 fl. in Papier – 1100 Haußzins bezahle ich mein bedienter mit seiner Frau bis beynahe 900 fl. rechnen sie, was also noch bleibt, dabey habe ich meinen kleinen Neffen ganz zu versorgen, bis jezt ist er im Institute dies kostet bis 1100 fl., u. ist dabey doch schlecht, so daß ich eine Ordentliche Haußhaltung einrichten muß, um ihn zu mir zu nehmen – wie viel man verdienen muß um hier nur leben zu können u. doch nimmt's nie ein Ende denn – denn – denn – sie wissen es schon – wegen den Dedicationen ein andermal6 – einige Bestellungen außer eine Aka [demie]* würden mir auch sehr willkommen seyn von der Philarmonischen Gesellschaft – übrigens sollte sich mein lieber Schüler Ries hinsezen u. mir was tüchtiges dediciren , worauf den der Meister auch antworten wird u. gleiches mit gleichem vergelten7wie soll ich ihnen <das>mein Porträt schicken?8 – ich hoffe auch bald Nachrichten vonNeate, treiben sie ihn etwas an, seyn sie übrigens versichert von wahrer Theilnahme an ihrem Glücke, treiben jaNeatean zum wirken u. schreibenalles schöne an ihreFrau – leider habe ich keine, ich fand nur eine, die ich wohl nie besizen werde,9 bin aber deswegen kein weiberfeind

ihr wahrer Freund
Beethowen
Vienne
Monsieur M.r Ferdinand Ries pr adr de Mess B.A Goldschmidt London



1 Brief 917 vom 19.3.1816.

2 Es handelt sich um die in Brief 899 aufgeführten Kopiatur- und Portokosten, die Birchall in Rechnung gestellt wurden.

3 Beethoven hatte 1814 eine Partiturabschrift von op. 91 an den Prinzregenten Georg von England geschickt und trotz aller Bemühungen nie eine Antwort erhalten. Auch auf die Dedikation des im Januar 1816 bei Birchall erschienenen Klavierauszugs erfolgte keine Reaktion.

4 Gemeint ist das Honorar von 130 Dukaten, das Birchall wohl am 9.3.1816 angewiesen hatte (Eigentumsschein).

5 Siehe Brief 917 . Neate und Ries planten ein öffentliches Konzert, dessen Einnahmen Beethoven zufließen sollten.

6 Ries hatte in Brief 917 nach der Dedikation von op. 96 und op. 97 gefragt und sich indirekt dafür beworben.

7 Ries widmete Beethoven 1818 seine zweite Symphonie op. 80 (c-Moll), die allerdings schon 1814 entstanden war. Im Gegenzug überlegte Beethoven 1823 (s. Brief 1641), Ries die neunte Symphonie op. 125 zu widmen, auch Harriet Ries wollte er bedenken (mit der Widmung der Diabelli- Variationen op. 120), doch hat er seine Absicht nicht verwirklicht.

8 Ries hatte Beethoven um ein Porträt gebeten, s. Brief 917 .

9 Dieser Satz wird gewöhnlich als eine Anspielung auf Beethovens Liebesverhältnis zur " Unsterblichen Geliebten" verstanden.


© 1998 G. Henle Verlag, München