Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen
Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für
Münzen und
Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen
Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo,
Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).
Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein
Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.
Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.
1004. Beethoven an Johann Baptist Rupprecht1
[Wien, möglicherweise November 1816]2
1 Der Brief ist an einen Freund in Wien gerichtet, der sich offenbar in Beethovens Lebensumständen und insbesondere in den Erbschaftsangelegenheiten des Neffen Karl gut auskannte. Daher ist der in Prag lebende Rechtsanwalt Dr. Joseph Reger entgegen Anderson (Nr. 724) auszuschließen. Eher kommt stattdessen der Schriftsteller und Redakteur Johann Baptist Rupprecht in Frage, der mit Beethoven auf vertrautem Fuße stand und in einem Brief vom Ende des Jahres 1815 (Brief 870) in derselben Weise angeredet wird.
2 Der Brief wurde eine geraume Zeit vor Brief 1019 vom 28.12.1816 geschrieben, der bereits einen Briefwechsel mit dem Retzer Syndikus Bayer voraussetzt. Die Erwähnung des schlechten Gesundheitszustandes läßt eine Datierung nach Mitte Oktober, vielleicht November 1816 annehmen.
3 Joseph Karl Bernard.
4 Gemeint ist der Anteil der Mieteinnahmen aus dem Haus Nr. 121 in der Alservorstadt, der dem Neffen Karl als Miteigentümer zustand. Als Ausgleich für die entgangenen Beträge einigten sich Beethoven und seine Schwägerin Johanna am 10.5.1817 auf eine Abschlagszahlung von 2000 Gulden (Wiener Währung) und für die Zukunft auf die Abtretung der Hälfte ihrer Witwenpension.
5 Durch das Testament seiner Großmutter, Theresia Reiss, war Karl van Beethoven Miterbe des ehemaligen Retzer Bürgermeisters Johann Paul Lamatsch geworden. Offenbar hatte Rupprecht im Auftrag Beethovens Erkundigungen wegen der Abwicklung der Verlassenschaftsangelegenheiten in Retz einholen sollen.
6 Leo Bayer (1785 – 1850); er trat sein Amt am 7.3.1816 an und behielt es bis zu seinem Tode. In der Nachfolge seines Vorgängers Leopold Kloske war er mit der Verlassenschaft des Johann Paul Lamatsch befaßt.