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Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

1253. Johann Nepomuk Mälzel an Beethoven

[Paris, 19. April 1818]

Bester Freund! Sie erwarten von mir wohl keine weitläufigen Entschuldigungen über mein wirklich sehr langes Stillschweigen.1 Es begreift sich von selbst daß einem nicht viel Zeit zur Correspondenz übrig bleibt, wenn man so sehr wie ich mit Unternehmungen aller Art beschäftigt ist. Habe ich Ihnen indeß gleich nicht durch Worte bewiesen, daß ich mich Ihrer stäts erinnere, so spricht wenigstens die That zu meinen Gunsten. Ich kann das Vergnügen haben, Sie zu versichern, daß ich an der verabredeten Gehör-Maschine zum Dirigiren2 fleißig gearbeitet, und sie auch schon glücklich zu Stande gebracht habe. Ich verspreche mir davon den besten Erfolg für Sie. Schade daß ich Sie nicht gleich bei mir habe, um einen Versuch machen zu können. Sie werden damit um so mehr zufrieden seyn, als ich bedacht war dem Werke ein[e] nette Form zu geben, um seine Ansicht gefällig zu machen. Da es bei der projektirten gemeinschaftlichen Kunstreise3 sein Verbleiben behält, so werde ich mit dieser Maschine versehen vor Ihnen erscheinen, wenn es zum wirklichen Antritt der Reise kommen wird. Der Zeitpunkt hierzu läßt sich jetzt wohl nicht so genau bestimmen, indeß habe ich die hiesigen Compositeurs von Ihrer Durchreise schon vorläufig avertirt , ohne ihnen doch gewiße Hoffnung zu geben, daß Sie da zu Paris Concert geben werden. – Ihren Brief an Mosel über den Metronom4 habe ich ins französische übersetzen lassen; er machte ungeheure Sensation bei den Compositeur s. Ihr Beispiel hat auf diese mächtig gewirkt. Zum Beweis sende ich Ihnen hier <eine>die Abschrift einer Erklärung dieser Herrn,5 welche dahin geht, daß sie nicht blos die metronom ische Bezeichnungsart annehmen sondern sich derselben ausschließlich bedienen wollen.6 Woraus klar folgt daß sie auf die italienischen Worte zur Erklärung des tempo verzichten. – Wie steht es denn, Freund'chen, mit den zwei Synphonien,7 die Sie zu Production auf unserer Reise bestimt haben? Sie sind wohl damit schon nahe an den finalen ? – Um Ihnen meinerseits auch zu beweisen, wie fleißig ich arbeite, so sende ich Ihnen bei dieser Gelegenheit hier zwei Exemplare von einem Tableau8 , das dazu bestimmt ist, den Compositeurs an die Hand zu geben, welche Bezeichnungsarten sie in allen Taktarten zu wählen haben, jenachdem das Musikstück ein langsames mäßiges oder geschwindes Tempo hat. Dieses tableau hat eben die Presse verlassen, die Explication ist noch nicht gedruckt; sie sollen davon auch ehestens Exemplare erhalten. Es versteht sich, daß ich Ihnen damit keine Belehrung geben will. Sie kennen die Sache so gut als irgend einer. Aber es giebt dumme und faule Leute, denen man die Wahrheit mit dem Kochlöffel im Mund streichen muß, <damit> und die von keiner noch so geringen Mühe etwas wissen wollen. Und deren sind nur zu viele in Paris. figura 3 finden Sie auf diesem tableau metronom isch den Unsinn der italienischen Worte bewiesen, und gezeigt, daß kein Compositeur mit dem andern über den Sinn dieser Worte einig ist. – Wenn Sie, wie ich wünsche und hoffe mir bald wieder schreiben so lassen Sie mich wissen, wann sie eigentlich gesonnen sind, zur Kunstreise zu schreiten, damit ich meine Pläne darnach einrichte.

Indeß grüße ich Sie von ganzen Herzen und bleibe Ihr aufrichtigster Freund

J. Maelzel mp
Paris. 19t April 1818.

P.S. Ich habe meine Wohnung verändert. Meine adresse ist nun: Carré St Martin N. 297.



1 Mälzel hatte sich Ende des Jahres 1817 in Wien aufgehalten, wo er mit Beethoven zusammengetroffen war. Dabei dürfte es zwischen beiden zu einer Versöhnung nach dem Zerwürfnis über die Eigentumsrechte an op. 91 gekommen sein.
Vermutlich handelt es sich hier um den ersten Brief Mälzels nach seiner Abreise aus Wien Anfang Januar 1818.

2 Bereits um 1813 hatte Mälzel für Beethoven Hörrohre angefertigt, die diesem jedoch "nicht brauchbar genug" waren (Memorandum für Adlersburg 1814). Über die hier angesprochene Hörhilfe beim Dirigieren ist nichts Näheres bekannt.

3 Offenbar war bei der Begegnung 1817 in Verbindung mit der an Beethoven ergangenen Einladung der Philharmonischen Gesellschaft nach London der schon 1813 erwogene Plan einer gemeinsamen Englandreise wieder aufgegriffen worden.

4 Brief 1196 vom November 1817. Beethoven hatte die Nützlichkeit des Metronoms betont und angekündigt, in Zukunft seine Werke immer mit Metronomzahlen zu bezeichnen.

5 Eine diesbezügliche Erklärung französischer Komponisten ist nicht nachzuweisen.

6 Die letzten drei Sätze am linken Rand, vermutlich von Schindler, angestrichen.

7 In seinem Vertragsentwurf über die Englandreise hatte Beethoven versprochen, zwei neue Symphonien für die Philharmonische Gesellschaft in London zu komponieren, s. Brief 1140 vom 9.7.1817.

8 Die hier erwähnte Metronomisierungstabelle erschien u.a. als Beilage IV zur AMZ 23 (1821), die dazugehörige "Explication" wurde im Intelligenzblatt Nr. VIII der AMZ veröffentlicht. Ein Exemplar der 1818 gedruckten Tabelle befindet sich in dem durch Schindler überlieferten Beethoven-Nachlaß, Berlin, Staatsbibliothek (aut. 37,18).


© 1998 G. Henle Verlag, München