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Hilfe zur Benutzung der Brieftexte

Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

1287. Beethoven an Franz Tschischka1

[Wien, um den 1. Februar 1819]2

Euer wohlgebohrn!

Es muß mir wenigstens daran liegen, in keinem falschen Licht zu erscheinen, daher meine hier übergebene schrift3 so weitlaüfig, was die künftige Erziehung anbelangt, so bin ich aüßerst froh für die jezige bestmöglichst gesorgt zu haben, so, daß die zukünftige darin schon einverstanden ist, Erfordert aber das wohl meines Neffen eine Veränderung, so bin ich der erste, der sie nicht allein in vorschlag sondern auch in Ausführung bringen wird –
Kein Vormund aus irgend einem Interesse bin ich nicht, aber ich will meinem Nahmen durch meinenNeffen ein neues Denkmaal stiften, Ich brauche meinenNeffen nicht, aber er braucht mich – Geklatsche verleumdungen sind unter der würde eins sich erhebenden Mannes, was soll man sagen, wenn sich d.g. sogar bis auf die wäsche erstrekt?!!4
ich könnte sehr empfindlich seyn, aber der Gerechte muß auch Unrecht leiden können, ohne sich im mindesten vom rechten zu entfernen, in diesem Sinne werde ich jede Probe bestehen, u. man wird mich nicht wanken machen – einer großen verantwortung würde man sich aus sezen, meinen Neffen gänzlich von mir abziehen zu wollen, Moralische u. <u.>selbst politische mißliche Folgen müsten hieraus für meinen Neffen hervorwachsen5
ich emphele ihnen u. lege ihnen sein wohl an das Herz, mich müßen meine Handlungen emphelen um seinetwillen nicht um meinetwillen.

Mit Hochachtung ihr ergebenster
Beethoven .

sehr beschäftigt u. dabey etwas unpäßlich wird mir meine Schrift bey der eingabe Nachsicht erwecken.6



1 Franz Tschischka (1786 – 1855) war Registraturbeamter und seit 1828 Direktor von Registratur und Archiv des Magistrats der Stadt Wien, s. HSS 1818, I, S. 681 und HSS 1819, I, S. 659. Anderson (Nr. 937) gibt Johann Baptist Bach als Adressaten an, der jedoch erst im Herbst 1819 die Rechtsvertretung Beethovens übernahm, s. die Briefe 1348 und 1349 vom 27.10.1819.

2 Der Brief steht im Zusammenhang mit Beethovens Eingabe (Brief 1286) an den Magistrat.

3 Die Eingabe an den Magistrat vom 1.2.1819, Brief 1286 .

4 Beethoven bezieht sich auf die Vorwürfe, die Jacob Hotschevar in seinem Gutachten vom 11.12.1818 zu Johanna van Beethovens Gesuch an die Landrechte vom 10.12.1818 erhoben hatte (TDR IV, S. 546): "Der Knabe Carl v. Beethofen ist nemlich physisch nicht wohl erzogen; hat gefrörte Hände und Füße, hat keinen winterlichen Anzug; scheinet in der Wäsche durch ganze Wochen nicht zu wechseln; zum Schnupftuche muß oft ein Bogen Fließpapier dienen und da der Herr Ludwig v. Beethofen ledig ist, scheint überhaupt an Reinigung der Wäsche und des Körpers wenig gedacht zu sein."

5 Ursprüngliche Wortfolge: "hervorwachsen für meinen Neffen" ; Umstellung durch Bezifferung.

6 Beethovens Eingabe an den Magistrat vom 1.2.1819 (Brief 1286) ist eigenhändig geschrieben.


© 1998 G. Henle Verlag, München