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Editorische Zeichen in den Brieftexten

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  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

1301. Beethoven an die Philharmonische Gesellschaft in Laibach1

[Wien, 4. Mai 1819]

An die Philarmonische Gesellschaft in Laibach.

Den Ehrenvollen Beweiß, welchen mir die würdigen Mitglieder der Philarm. Gesellschaft <der>als Anerkennung meiner geringen verdienste in der Tonkunst dadurch gegeben haben, daß sie mich zu ihrem Ehren Mitgliede erwählt haben, und mir das Diplom2 darüber durch Hr. MagistratsRath v. Tüscher haben zustellen laßen, weiß ich zu würdigen, und werde zu seiner Zeit als einen Beweiß dieser meiner würdigung ein noch nicht öffentlich erschienenes Werk3 durch obgedachten Herrn M.R. v. Tuscher an die Gesellschaft die Ehre haben gelangen zu laßen –
Wo übrigens die Gesellschaft meiner bedarf, werde ich jederzeit mich dazu bereit finden laßen

Der Philarmonischen Gesellschaft Ergebenstes EhrenMitglied

Ludwig van Beethowen.
Vien am 4-ten May 1819

An die Philarmonische Gesellschaft in Laibach.



1 Die Philharmonische Gesellschaft in Laibach geht auf die 1701 gegründete Academia Philharmonicorum Labacensis zurück und wurde unter ihrem Namen 1794 ins Leben gerufen. Sie widmete sich vor allem der zeitgenössischen Wiener Orchestermusik. Bereits 1808 hatte sie den Versuch unternommen, Beethoven als Ehrenmitglied zu gewinnen (Keesbacher a.a.O., S. 49f.). 1816 eröffnete sie eine Musikschule, bei der sich Franz Schubert vergeblich als Lehrer bewarb. Die Gesellschaft wurde nach 1918 aufgelöst.

2 Das Dokument hat den folgenden Wortlaut:

"Die hiesige philharmonische Gesellschaft, deren Zweck: "Verfeinerung des Gefühls und Bildung des Geschmackes im Gebiete der Tonkunst" ist, muste bey Ihrem rastlosen Streben, dem Vereine nach innen und außen auch durch zweckmässige Wahl neuer Glieder, immer mehr Gehalt, Solidität und Zierde zu geben, allgemein von dem Wunsche durchdrungen werden, die Zahl ihrer Ehrenmitglieder durch Euer Wohlgeboren geziert zu wissen. Das Organ dieser Gesellschaft die unterzeichnete Direction – erfüllt – den allgemeinen Wunsch der Gesellschaft realisirend – dießmahl ihre angenehmste Pflicht, indem Sie Euer Wohlgeborn, durch die Ernennung zum Gesellschafts[-]Ehrenmitgliede, den vollsten Beweis Ihrer tieffsten Verehrung anzunehmen ersuchet, und zugleich ein Exemplar der Statuten und des Verzeichnißes der dermahligen Mitglieder hier beyschließt. –

Von der Direction der philharmonischen Gesellschaft
Laibach am 15. Maerz 1819.
Vidi [Name unleserlich] Albert Hölbling
k.k. Landes Gouverneur Gesellschafts Director
qua Protektor

Joseph Friedr Wagner
Repräsentant
Johann G Pommer
Repräsentant
An Sne Des Herrn Ludwig van Beethoven, Wohlgeboren in Wien."

Quelle: Fotokopie des verschollenen Originals, Bonn, Beethoven-Archiv (Slg. Ley).

3 Keesbacher vermutet (a.a.O., S. 51f.), daß Beethoven anstelle eines unveröffentlichten Werkes eine überprüfte Partitur-Abschrift von op. 68 geschickt habe. Die aus der Sammlung der Philharmonischen Gesellschaft stammende Handschrift befindet sich heute in der Universitätsbibliothek Ljubljana (MZ 1765/1955). Sie wurde bei der Uraufführung des Werkes am 22.12.1808 in Wien verwendet und stellt eine der wichtigsten Quellen zur Pastoralsymphonie dar. Vielleicht gelangte die Handschrift schon früher, etwa bei dem ersten, fehlgeschlagenen Versuch der Ernennung Beethovens zum Ehrenmitglied, in den Besitz der Gesellschaft. Ebenfalls aus den Musikalienbeständen der Laibacher Philharmonischen Gesellschaft stammt eine Partiturabschrift des Fidelio (Ljubljana, Universitätsbibliothek, Muz D 195/1950), die auf dem Titelblatt mit " No 12" bezeichnet ist. (Die Aufschrift Partitur zur Oper Fidelio von Beethoven ist aus neuerer Zeit.) Auch sie könnte das versprochene "noch nicht öffentlich erschienene Werk" darstellen.


© 1998 G. Henle Verlag, München