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Hilfe zur Benutzung der Brieftexte

Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

1306. Beethoven an Joseph Karl Bernard

[Mödling, wohl 9. Juni 1819]1

Bester Bernardus non Sanctus

Man will oder will man?2
Ich sende ihnen die schrift3 hier zurück, die ich gelungen finde, was ich angemerkt, werden sie vieleicht gar nicht berücksichtigen, dies steht ihnen Frey, denn ich kann hier nicht sagen Anche io sono pittore4 – nun bitte ich sie aufs innigste <innig>lassen sie selbe abschreiben,5 ob ein stempel-bogen u. welcher, weiß ich nicht, fragen sie jemanden aus der Staatskanzeley, mir ist es nicht eingefallen, sonst hätte ich gestern unsern Kardinal gefragt – Seine Eminenz +welche übrigens sogleich selbst die schrift übergeben wollen6 – + haben sehr gelacht, wie ich ihnen erzählte, daß die selbige Person, wider welche das Gesuch eigentlich abgezweckt war, aufgefordert zur Protestation dagegen wurde,7 dies daücht mir könnten sie noch kontrastirender geben, eben so könnte der Hr. Curator8 noch einen stich bekommen, daß die L.[and]r.[echte] auf selben so wenig vertrauen gehabt, daß ich <auf> noch einen der L.r. vertrauen besizenden Mann dr. Adlersburg beygesellt habe.9
u. nun leben sie in will Mann u. man will fort bis lauter will will will Will Männer Männer et etc et hervorkommen –
wegen der Bibliothek hoffe ich bald in einiger Zeit etwas anbringen zu können10 – der anfang ist gemacht –
ihr Beethoven .



1 Es ist davon auszugehen, daß Beethoven den Entwurf zu einer Bittschrift, um den er Bernard am 6.6.1819 gebeten hatte (Brief 1305), wie geplant Erzherzog Rudolph am Dienstag, dem 8.6.1819, vorgelegt hat. Der vorliegende Brief wurde wohl unmittelbar danach, am 9.6.1819, geschrieben.

2 Eine Anspielung auf Bernards Verhältnis mit der Schauspielerin Caroline (eigentlich Maria Anna Magdalena) Willmann (1796 – 1860), s. BKh 1, S. 62 und 125. Beethoven war mit der Musikerfamilie Willmann, von der mehrere Mitglieder in kurkölnischen Diensten gestanden waren, schon in Bonner Zeit bekannt.

3 Die Bittschrift an den Erzherzog Ludwig um Erteilung eines Passes zur Ausreise des Neffen nach Bayern (Landshut), vgl. Brief 1305 .

4 "Auch ich bin Maler", angeblich ein Ausspruch Antonio Allegris (Correggio) bei Anblick eines Gemäldes von Raffael.

5 Weder Entwurf noch Reinschrift der Bittschrift sind erhalten.

6 Siehe auch Brief 1300 .

7 Die Stadthauptmannschaft hatte am 23.4.1819 den Magistrat als Obervormundschaft um Stellungnahme zu Beethovens Gesuch um Erteilung eines Reisepasses für seinen Neffen ersucht. Der Magistrat hatte daraufhin am 24.4.1819 die Mutter, Johanna van Beethoven, vorgeladen. Ihre Protestschrift gegen die Verbringung ihres Sohnes ins Ausland wurde der ablehnenden Note des Referenten Franz Xaver Piuk vom 7.5.1819 an die Stadthauptmannschaft beigelegt (Wien, Stadt- und Landesarchiv, Hauptarchiv-Akten, Persönlichkeiten, B 14, fol. 76 – 77 und 82 – 86).

8 Dr. Johann Michael Schönauer.

9 Siehe Brief 1286 .

10 Bernard interessierte sich für die Stelle eines Bibliothekars bei Erzherzog Rudolph, s. BKh 1, S. 76 und Brief 1345 vom 15.10.1819 (nach Baumeisters Tod).


© 1998 G. Henle Verlag, München