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Hilfe zur Benutzung der Brieftexte

Editorische Zeichen in den Brieftexten

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  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

1354. Beethoven an Joseph Karl Bernard

[Wien, zwischen dem 18. und 20. November 1819]1

lieber B. Hier für die Gletscher2 – was sie für diesen Eiskeller mildern wollen in einen eigenen paar Zeilen steht ihnen Frey – sie haben noch gefälligst hinzusezen, daß er durchaus nichts anzunehmen habe sonst von ihr3 , er4 hat gestern einen Huth gehabt, der wieder von ihr neu angeschaft worden, gehn sie nur mit diesem gemeinen Pöbel bey G-- –5 wär es noch am besten gewesen, ich muß <mich> vor solchem elenden Pöbel wie ein armer Sünder dastehn, u. alle Abgeschmakheiten werden aufgenommen, u. damit gemakelt. – durch das jezige stillschweigen über alles, was K.[arl] besonders durch den Einfluß seiner Bösen Mutter gegen mich angerichtet, wird K. glauben, daß seine Handlungen gegen mich gebilligt oder geduldet werden – nur ein etwas feines Gefühl hätte längst das gewäsch sowohl schriftlich als mündlich nicht mehr angehört6 u. angenommen – da wir die sowohl sie als ich u. ich u. sie einmal die meisten Erfahrungen über K. haben, so ist es am besten, daß H.[errn] B. [löchlinger] Gletscher sich nach unß richte – immer ist es mir als hätten sie mir noch etwas zu sagen, was mich erschrecken könnte, bald glauben sie, daß ich K. <lass>gänzlich seinem schiksaale überlaßen, bald, daß ich es nicht thun sollte7 – noch haben sie vieleicht schreckliches für mich verborgen, dies ist nicht<,> nöthig, für mich – gibt es nichts schrecklicheres mehr als ich schon – auch durch Karl erfahren – also, nur heraus, meine Brust ist stark, steche u. stoße man nur zu –
ich bitte sie nun, den Brief an Blöch. [linger] gleich besorgen zu laßen – hier das Trinkgeld – Gott helfe mir, ich bin des Menschenverkehrs so müde, daß ich beynahe keine mehr sehen u. hören mag. –

der ihrige
Beethoven

Nb : Weißenbach hat mir schreiben laßen, er will Karlzu sich nehmen,8 unter unß jedoch nur bleibend, dies würde ganz gut seyn, mir ist dieser Gletscher u Eiskeller verhaßt –



1 Beethoven nimmt auf Weißenbachs Brief vom 15.11.1819 Bezug, den er kaum vor dem 18.11.1819 erhalten haben wird. Bernard kennt diesen Brief offenbar noch nicht. In den am 20.11.1819 einsetzenden Gesprächen ist Bernard dagegen schon über seinen Inhalt informiert, s. BKh 1, S. 83ff. passim.

2 Gemeint ist der Schweizer Joseph Blöchlinger. Der ursprünglich beigelegte Brief an ihn ist nicht erhalten.

3 Johanna van Beethoven.

4 Karl van Beethoven.

5 Wohl Giannattasio del Rio. Er hatte im Juni 1819 eine erneute Aufnahme des Neffen abgelehnt. Daraufhin war Karl am 22.6.1819 in das Institut Blöchlingers eingetreten.

6 Ein Vorwurf gegen die Vormundschaftsbehörde, den Magistrat der Stadt Wien. In einem Gespräch vom 20.11.1819 notiert Bernard: "Ich habe dem Advokaten gesagt, daß solches Weibergewäsch gar nicht von einer Behörde angehört werden sollte" , s. BKh 1, S. 83.

7 Beethoven nahm in dieser Zeit und auch bei späteren Konflikten mit Karl eine solche schwankende Haltung ein, s. Brief 1321 vom 19.8.1819.

8 Vgl. Brief 1353 ; er ist jedoch von Weißenbach eigenhändig geschrieben.


© 1998 G. Henle Verlag, München