Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen
Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für
Münzen und
Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen
Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo,
Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).
Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein
Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.
Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.
1413. Beethoven an Wilhelm Christian Müller1
[Wien, kurz vor dem 26. Oktober 1820]2
1 Dr. phil. Wilhelm Christian Müller (1752 – 1831), Pädagoge und Musikschriftsteller. Nach Theologiestudium in Göttingen und Aufenthalten in Kiel und Altona kam er 1778 als Vorsteher eines Erziehungsinstituts nach Bremen. 1784 wurde er zum Musikdirektor am Bremer Dom und Lehrer an der Domschule ernannt. Nach seiner Pensionierung, 1817, unternahm er mit seiner Tochter Elise (geb. 1782), einer fähigen Pianistin, ausgedehnte Reisen. Auf dem Wege nach Italien traf er am 3.10.1820 in Wien ein (Wiener Zeitung Nr. 228 vom 5.10.1820, S. 911). In seinem Buch Briefe an deutsche Freunde von einer Reise durch Italien ..., Altona 1824, Bd. 1, S. 130ff., schildert er seine Begegnung mit Beethoven.
2 Müllers Bericht, in Form eines Briefes an einen Konferenzrat Gaehler abgefaßt, ist mit dem 26.10.1820 datiert und fußt wahrscheinlich auf Tagebuchaufzeichnungen. Er handelt u.a. von zwei Besuchen bei Beethoven, der in dieser Zeit mit dem Umzug beschäftigt war: "Er ladete uns auf übermorgen zum Kaffee ein, unterdessen er seine übereinanderliegenden Möbeln in Ordnung bringen wollte. Als wir aber wiederkamen, herrschte dasselbe Chaos noch auf den Zimmern." Der vorliegende Brief wurde wahrscheinlich nach dem ersten und vor dem zweiten Besuch Müllers, jedenfalls vor dem 26.10.1820 geschrieben.
3 Nannette Streicher.