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Editorische Zeichen in den Brieftexten

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  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

1466. Beethoven an Franz Brentano in Frankfurt

Vien am 19ten May – 1822

Euer wohlgebohrn!

Sie werden, wer weiß was, von meiner Unordnung denken, allein ich bin schon wieder 4 Monathe immer mit Gicht auf der Brust behaftet u. nur mich wenig zu beschäftigen im stande, Die Meße1 wird endlich bis künftigen Monath Ende Juni ganz gewiß in Frankfurt bey ihnen anlangen,2 Der Kardinal Rudolph, der überhaupt für meine Werke sehr eingenommen ist, wollte nicht, obschon ich bisher von seiner Großmuth nichts weiß, daß die Meße sobald herauskommen sollte, u. erst vor 3 Tägen erhielt ich Partitur u. Stimmen zurück,3 damit, wie höchstdieselben sich ausdrückten mir nicht beym verleger geschadet werde könne, Sie baten sich dabey aus, daß sie ihm gewidmet werden sollte, ich laße jezt nur die Partitur noch einmal abschreiben, u. übersehe sie genau,4 dies geht alles bey meiner schwächlichen Gesundheit nur Langsam – höchstens bis Ende des künftigen Monaths ist die Meße da in Frankfurt, Hr. Simrock kann also bis dahin <das>den ausgemachten Ehrensold5 ihnen zustellen, dies ist das kürzeste, um so mehr, da mir jezt alles beschwerlich fällt. – ich habe hier u. auch von anderwärts wohl noch beßere Anträge erhalten, habe aber alle zurückgewiesen,6 da ich einmal Simrock mein Wort gegeben habe, obschon ich dabey verliere,7 da ich, wenn es meine Gesundheit nur zuläßt, mehrere andere werke ihm vorschlagen werde, wo es mir wieder zu gute kommen kann. – und man auch wegen der Herausgabe Sämtlicher werke mit ihm übereinkommen könnte, da mich der Winter immer hier beynahe mordet, so erfodert es meine Gesundheit, endlich Vien auf einige Zeit zu verlaßen, ihre mir so oft bewiesene Freundschaftliche Güte läßt mich hoffen, daß sie diese ganze Angelegenheit zu meinem Besten besorgen.

Mit wahrer Hochachtung ihr Freund u Diener
Beethoven

[Nachschrift]
finden Sie es für gut so senden sie Simrock dem ich mich bestens emphele, diesen Brief.8 – ich will sie nicht belästigen mit Klagen, denn anders könnte ich nichts, wir sind nun einmal sowohl zur Freude als zum Leid bestimmt, wenn nur nicht vom leztern der Antheil zu groß wird.



1 Op. 123.

2 Dieses Versprechen hat Beethoven nicht eingehalten.

3 Es ist möglich, daß Beethoven dem Erzherzog anläßlich der Inthronisation Anfang März 1820 einen Teil der Messe überreicht hat, s. BKh 1, S. 331 (Bericht des Kopisten Schlemmer). Doch ausweislich der Entwürfe in dem Skizzenbuch Artaria 201 (Berlin, Staatsbibliothek) arbeitete er noch im Frühjahr 1822 am Agnus (Dona nobis pacem). Gegen Ende 1822 nahm er an dem Werk noch eine Revision vor. Eine vollständige Partiturabschrift erhielt der Erzherzog erst am 19.3.1823. Von Stimmenabschriften zu dieser Zeit ist nichts bekannt. Die Stimmen für die erste Teilaufführung in Wien (7.5.1824) wurden erst im März 1824 hergestellt.

4 Beethoven gab möglicherweise um diese Zeit die erste vollständige Partiturabschrift der Messe in Auftrag (Wien, Gesellschaft der Musikfreunde, A 21). Sie wurde noch vor den Revisionen fertiggestellt, die Beethoven Ende 1822 vornahm, und anschließend entsprechend korrigiert.

5 100 Louisdor. Simrock hatte das Geld seit Oktober 1820 bei seinem Geschäftsfreund Heinrich Verhuven in Frankfurt deponiert und ihn angewiesen, es bei Übergabe des Manuskripts an Brentano auszuzahlen, s. u.a. Brief 1417 vom 12.11.1820, Brief 1464 vom 13.5.1822 und Brief 1467 vom 29.5.1822.

6 Beethoven verhandelte zur Zeit noch mit A.M. Schlesinger, C.F. Peters, Artaria und Steiner.

7 Beethoven hatte 100 Schild-Louisdor verlangt. Simrock wollte den Betrag jedoch nur in Friedrichsdor auszahlen, die einen geringeren Wert besaßen, s. u.a. Brief 1417 .

8 Der Brief ist eine indirekte Antwort auf Simrocks Schreiben vom 13.5.1822 (Brief 1464). Wahrscheinlich hat Brentano eine Abschrift an Simrock geschickt, vgl. Brief 1467 .


© 1998 G. Henle Verlag, München