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Hilfe zur Benutzung der Brieftexte

Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

1512. Beethoven an Carl Friedrich Peters in Leipzig

Vien am 22ten Novemb. 1822

Euer Wohlgebohrn!

Auf ihr vom 9ten Novemb. ,1 worin ich <mich>mir mit vorwürfen glaubte begegnet zu seyn wegen meiner Anscheinenden Nachläßigkeit – nun aber noch das Honorar voraus – u. Sie noch nichts erhalten2 – so Anstößig es scheint, so weiß ich, sie würden in einigen Minuten mit mir ausgesöhnt seyn, wären wir zusammen – das Ihrige ist schon alles beysammen, bis auf die Wahl der der3 Lieder, <für>als <ihren> WarteGeld erhalten sie deren noch eins mehr als nach dem festgesezten Übereinkommen – von bagatellen könn[t]e ich ihnen noch mehrere schicken als die bestimmten 4, Es sind deren noch 9 oder 10 vorhanden,4 wenn sie mir hierüber gleich schreiben, so könnte ich <die>selbe oder soviel sie davon verlangen mit allem andern mitschicken –
Meine Gesundheit ist zwar nicht völlig hergestellt von meinen Bädern, jedoch im ganzen genommen habe ich gewonnen, außerdem hatte ich hier ein übel, indem ein andrer eine nicht für mich passende w[o]hnung* gesucht,5 welches schwer zu besiegen ist, u. Welches m[ich]* in meinen Beschäftigungen, da man noch nicht damit zu rechten komm[t]* nicht wenig aufgehalten hatte – Mit der Meße verhält es sich so: ich habe eine schon Längst ganz vollendet, eine andere aber noch nicht,6geschwäz muß nun über unsern einen immer walten, u. so sind sie auch hierdurch irre geleitet worden, welche von beyden sie erhalten, weiß ich noch nicht, gedrängt von allen Seiten, müste ich beynahe das Gegentheil von dem "Der Geist wiegt nichts" bezeugen –

ich grüße sie Herzlich, u. hoffe, daß die Zukunft ein ersprießliches u. für mich nicht Unehrenvolles Verhältniß zwischen unß beyden obwalten laße ihr Ergebenster

Beethoven

An Seine Wohlgebohrn Hrn C.F. Peters Bureau de Musique in Leipzig.



1 Brief 1509 , nicht erhalten.

2 Peters hatte für drei Lieder, vier Märsche und vier Bagatellen, die angeblich sofort lieferbar waren, im Juli und August 1822 insgesamt 360 Gulden C.M. Honorar überwiesen, doch schob Beethoven die Absendung der Stücke immer mehr hinaus, vgl. Brief 1480 vom 12.7.1822, Brief 1486 vom 31.7.1822 und Brief 1487 vom 3.8.1822.

3 Wortwiederholung bei Seitenwechsel.

4 Außer den ersten fünf Bagatellen aus op. 119 besaß Beethoven in dieser Zeit noch eine Sammlung von mindestens zwölf weiteren Klavierstücken unterschiedlicher Länge und unterschiedlicher Ausführung. Sie waren in einem Umschlag mit der Aufschrift "Bagatellen" zusammengefaßt. Die erhaltenen Autographen weisen eine Numerierung und Spuren einer Überarbeitung auf, die wahrscheinlich aus der Zeit des vorliegenden Briefes (Herbst 1822) stammen, vgl. Sieghard Brandenburg [Hrsg.], Ludwig van Beethoven. Sechs Bagatellen für Klavier op. 126 , Bonn 1984, Teil 2, S. 52f.

5 Beethoven wohnte seit Ende Oktober 1822 in der Vorstadt Windmühle Nr. 60, Obere Pfarrgasse. Das Quartier war von seinem Bruder Johann ausgesucht worden, der in den Wintermonaten im Nachbarhaus Nr. 61, Kothgasse, lebte.

6 Dieselbe Behauptung stellte Beethoven später auch gegenüber Simrock auf, s. Brief 1607 vom 10.3.1823. Sie wird durch die Skizzenbücher aus dieser Zeit nicht bestätigt.


© 1998 G. Henle Verlag, München