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Editorische Zeichen in den Brieftexten

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Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

1570. Beethoven an Carl Friedrich Peters in Leipzig

Vien am 15ten Februar [1823]1

Mein lieber guter!

Ich bedaure ihren Familien Verlust,2 u. nehme Herzlich antheil an ihrem schmerze, die Zeit möge ihn lindern –
ich melde ihnen, was mich u. Sie betrift, daß vorigen Sonnabend3 die 3 Gesänge4 , 6 Bagatellen5 , u. ein Zapfenstreich6 (türkische Musick) statt Marsch abgegangen,7 den Aufschub verzeihen sie schon,8 ich glaube wohl, daß, wenn sie mir in's Herz sehen, daß sie mich nicht einer vorsäzlich schuldigen Handlung beschuldigen werden, heute gab ich die noch 2 fehlenden Zapfenstreiche9 u. den 4ten großen Marsch10 auch auf die Post,11 ich hielt für beßer ihnen statt <3>4 Märschen 3 Zapfenstriche, u. einen Marsch zu geben, obschon erstere auch zu Märschen können gebraucht werden, so was beurtheilen die Regimentskapellmeister am besten, wie es anzuwenden, übrigens könnten auch Klawierauszüge davon gemacht werden – wie ich als Künstler handle, werden sie sehn an den Gesängen, der eine ist mit Begleitung von 2 Clarinett 1 Horn, <2> Bratschen u. Violonschellen – u. wird entweder ohne KlawierBegleit. allein mit diesen Instrumenten oder mit Klawier u. ohne selbe Instrum. gesungen.12 der 2te Gesang ist mit Begleitung von 2 Clarinet 2 Horn 2 fagott u. wird ebenfalls mit diesen Instrumenten allein oder mit KlawierBegleit. allein gemacht13 beyde Gesänge sind mit Chören, u. der 3te gesang ist eine ziemlich aufgeführte Ariette mit Klawierbegleit. allein.14 – ich hoffe, sie sind jezt beruhigt, Es würde mir sehr leid, wenn diese Verzögerungen bloß meiner schuld oder willen beygemeßen würden –
die Zeit eilt voran auf die Post15 , bis künftigen Mittewoche mehr, sowohl vom quartett fürs Klawier als für violine16 – auch werde ich ihnen eine schrift wegen der Meße schicken da sich die Entscheidung, welche sie<,> erhalten, bald nahen wird17
wegen 2 noch mehr erhaltenen Bagatellen18 bitte ich sie die Anweisung von 16 # <mir> wie früher an mich zu senden, wo ich denn nur zu den H[erren] v Meißel schicken kann, da ich wircklich so aüßerst beschäftigt u. immer noch nicht ganz gesund bin – Mittewoche mehr19 – der Himmel helfe ihnen ihren Kummer tragen, wer hat nicht so schon verlohren, u. wer beweint nicht gern d.g. Verlust.

ich umarme sie von Herzen ihr Ergebenster
Beethoven
Für Seine wohlgebohr Herrn F. Peters in Leipzig.



1 Die Jahreszahl ist aus inneren Gründen zu erschließen. Aus dem Registraturvermerk sowie aus Brief 1575 ist zu entnehmen, daß das vorliegende Schreiben erst am 20.2.1823 zusammen mit Brief 1575 und den erwähnten Musikalien abgeschickt wurde.

2 In der Korrespondenz von Beethoven mit Peters sind keine näheren Angaben zu diesem Trauerfall enthalten. Peters hatte jedoch am 15.1.1823 an Sauer & Leidesdorf in Wien geschrieben: "Sie werden sich wundern, daß ich sie so lange ohne Antwort gelassen habe, allein ein seltnes Unglück hat mich betroffen, und mich auf einige Wochen völlig untüchtig zu allen Geschäften gemacht [...] Binnen 10. Tagen raubte mir nehmlich der Tod mein ganz herrliches Weib, einen jungen Sohn und unsre teuerste Freundin meine Schwiegermutter" , Leipzig, Sächsisches Staatsarchiv (Musikverlag C.F. Peters Leipzig, Kopierbuch V, 1811 – 1823).

3 8.2.1823.

4 Op. 121b, op. 122 und op. 128.

5 Op. 119 Nr. 1 – 6.

6 WoO 20, wie aus Brief 1575 zu schließen ist.

7 Die genannten Musikalien sollten von der Großhandlung Gebrüder Meißl expediert werden, s. Brief 1560 .

8 Beethoven hatte zugesagt, die Werke bis Mitte August 1822 abzuliefern, und das Honorar dafür bereits in Empfang genommen, s. Brief 1487 vom 3.8.1822. Danach hatte er Peters fortwährend vertröstet.

9 WoO 18 und WoO 19.

10 WoO 24.

11 Aus Brief 1575 geht hervor, daß die Post versäumt wurde.

12 Eine frühe Fassung des Opferliedes op. 121b.

13 Eine frühe Fassung des Bundesliedes op. 122.

14 Op. 128.

15 Gemeint ist die "reitende Post", die zweimal wöchentlich, mittwochs und samstags, nach Sachsen ging. Der 15.2.1823 fiel auf einen Samstag. Die "fahrende Post" (Diligence) nach Sachsen und Preußen ging 1823 freitags ab.

16 Peters war seit Beginn seiner Verbindung mit Beethoven an einem Klavierquartett interessiert. Dagegen suchte Beethoven ihn für ein Streichquartett zu gewinnen, s. u.a. die Briefe 1465 vom 18.5.1822 und 1468 vom 5.6.1822.

17 Beethoven hatte Peters ursprünglich die Missa solemnis zugesagt, s. Brief 1473 vom 26.6.1822. Im Winter 1822/23 faßte er dann den Plan, noch zwei weitere Messen zu komponieren, mit denen er die verschiedenen Interessenten für die Missa solemnis abfinden wollte, vgl. die Briefe 1575 und 1607 .

18 Peters sollte ursprünglich nur vier Bagatellen erhalten, s. Brief 1487 vom 3.8.1822.

19 Beethovens nächstes Schreiben datiert nicht vom Mittwoch, dem 19.2.1823, sondern vom darauffolgenden Tage (Brief 1575).


© 1998 G. Henle Verlag, München