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Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

1755. Carl Keller an Anton Felix Schindler

Donaueschingen d. 6ten Dec. 1823.

Hochgeschätzter Freund!

Ihren werthen Brief vom 4ten 8ber habe ich erhalten1 und gewiß hätte ich so gleich wieder geantwortet, wenn die Jagden Sr Durchlaucht2 nicht die ganze Zeit daher beschäftigt hätten, endlich aber habe ich Gelegenheit gefunden, und alles angewendet, um Seiner Durchlaucht zur Subscribtion geneigt zu machen.3 Da aber dem Fürsten der Preis ein wenig zu hoch vorkam, so hat er sich (wie es große Herrn öfters zu machen pflegen) nicht recht bestimmen wollen, und so glaube ich, daß wenn Sie selbst an ihn schreiben, nunmehr vielleicht noch einen Subscribenten erhalten dürften. Ich habe wenigstens alles gethan was ich vermochte, und was ich, als ein Verehrer des großen Beethoven für Pflicht gehalten habe. Sehr haben Sie mich durch Ihre gütige Mittheilung aus Wien erfreut, und ich danke Ihnen von ganzem Herzen dafür, denn Sie können nicht glauben wie oft ich mich zurück gesehnt habe und kein Tag vergeht, wo ich nicht im Geiste bey Euch ihr guten Wiener bin. Daß die ehrsame Ludlam4 wieder hergestellt ist, freut mich herzlich, so wie gewiß alle alte Ludlamitten den innigsten Antheil daran nehmen werden, denn in so vielen Gesellschaften ich auch war, so hab' ich doch nie eine gefunden, wo man so wahrhaft fröhlich, als in dieser gewesen wäre; haben Sie demnach die Güte, mich dem Hrn. Presidenten5 , so wie der ganzen wohledlen Gesellschaft auf das Beste zu empfehlen, und sie möchten den alten Prügelbeißer6 am Ursprung der Donau in seinem Krähewinkel nicht vergeßen, dessen einzige Freude nur in der Erinnerung an jene in Wien so glückl. verlebten Tage besteht. Nun mein Theurer! leben Sie wohl, behalten Sie mich lieb und seyn Sie versichert, daß ich stets bleiben werde

Ihr ganz ergebener Freund
Carl Keller.
N.S.
Meinen lieben Freund Moscheles laße ich zu seiner so glücklichen Zurückkunft von ganzem Herzen Glück wünschen,7 und er möchte meiner zuweilen gedenken.
Sr Wohlgeboren dem Orchester- Director Herrn A. Schindler in Wien .
abzugeben in der Kunsthandlung des Hrn. Artaria & Comp. am Kohlmarkt.
fr[ey]



1 Brief 1748 , nicht überliefert.

2 Karl Egon II., Fürst von Fürstenberg.

3 Schindler hatte Keller gebeten, den Fürsten für die Subskription einer Partiturabschrift der Missa solemnis zu gewinnen. Beethoven verlangte ein Honorar von 50 Dukaten.

4 Die Ludlamhöhle, genannt nach dem gleichnamigen Theaterstück von Adam Oehlenschläger (1779 – 1850), war eine gesellige Vereinigung von Künstlern, Literaten und Musikern, die im Gasthaus Haidvogel in der Schlossergasse Nr. 599 (vor 1821 Nr. 632, neben dem Trattnerhof am Graben) tagte. Sie wurde 1826 auf Geheiß der k.k. niederösterreichischen Landesregierung aufgelöst, s. Ignaz Franz Castelli, Die Ludlamshöhle , in: Memoiren meines Lebens , Wien 1861, Bd. 2, S. 174 – 232.

5 Gemeint ist der Schauspieler Carl Schwarz, der Oberhaupt der Gesellschaft war und als "Kalif" bezeichnet wurde. Er trug den Beinamen " Rauchmar der Zigarringer".

6 Keller trug in der Ludlamshöhle den Beinamen "Flautrowersch der Prügelbeißer" , s. Castelli a.a.O., S. 212.

7 Ignaz Moscheles, ebenfalls Ludlamit mit dem Beinamen "Tasto der Kälberfuß" , war am 19.10.1823 zu Konzerten nach Wien gekommen, reiste aber bereits am 2.1.1824 wieder ab, s. Brief 1760 .


© 1998 G. Henle Verlag, München