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Editorische Zeichen in den Brieftexten

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  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
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  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

1873. Beethoven an Hans Georg Nägeli in Zürich

Badenam 9ten Septemb. 1824+

+in der überschrift an mich schreiben sie nur "in Vien" wie gewöhnlich.

Mein sehr werther Freund!

Der Kardinal Erzherzog <war>ist in Vien u ich meiner Gesundheit wegen hier, erst gestern erhielt ich von ihm in einem schreiben die Zusagung,1 daß er mit vergnügen subscribire auf ihre Gedichte wegen ihren verdiensten, welche sie sich um das Emporkommen der Musick erworben haben u. 6 Exemplare davon nehme,2 Titulatur <wird>werde <hier>ich <beygef>noch na[ch]schicken, ein Unbekannter subscribirt ebenfalls darauf das bin ich, denn da Sie mir die Ehre erzeigen mein Panegiriker zu seyn, darf ich wohl keineswegs mit meinem Nahmen erscheinen,3 wie gern hätte ich auf mehrere subs. allein meine Umstände sind zu beschränkt, vater eines von mir angenommenen Sohnes des Kindes von meinem verstorbenen Bruders muß ich sowohl für die Gegenwart wie <an>für die Zukunft <für ihn>seinetwegen denken u. handeln –
ich erinnere mich, daß sie mir auch früher geschrieben haben wegen subscrib.4 damals war ich sehr kränkl. welche Kränklichkeit über 3 Jahre gewährt hat, nun befinde ich mich beßer – Schicken sie nur gerade ihre gesammleten Vorlesungen auch an den Erzherzog rudolph widmen sie selbe ihm wo mögl.5 ein geschenk erhalten Sie immer, groß wird es freylich nicht seyn, aber beßer als nichts, sagen sie ihm einige schmeichelhafte worte in der vorrede, denn Musick versteht er, u. er lebt u. webt darinn, mir thut es wirklich um sein Talent leid, daß ich nicht mehr so viel an ihm Theil nehmen kann, als früher –
ich habe hin u. wieder noch Aufträge wegen subscrib auf ihr Gedich.[te] gegeben <was>welche ich noch erhalten werde, soll ihnen sogleich bekannt gemacht werden6 – auch ich wünschte, daß sie mir ihre vorlesungen sicher übermachten so wie die 5Stimmige Meße von Sebastian Bach7 , was beydes kostet, werde ich sogleich ihnen von hier aus übermachen –
denken sie übrigens ja kein Intereße von mir irgendwo, was ich suchte, frey bin ich von aller kleinlich.[en] Eitelkeit, nur Sie die Göttliche Kunst nur in ihr sind die Hebel, die mir Kraft geben, den Himmlischen Musen den besten Theil meines Lebens zu opfern, von Kindheit war mein größtes glück u. vergnügen für andere wirken zu können, sie können daher denken, wie groß mein vergnügen ist, ihnen in etwas behülflich zu seyn, u. ihnen anzuzeigen, wie ich ihre Verdienste schäze

ich umarme Sie als einen weisen des Apolls von Herzen der Ihrige
Beethoven
wegen des Erzherzogs schreiben [sie]* mir bald, weil ich alsdenn die Einleitung dazu treffen werde, um Erlaubniß der Dedication br[auchen]* sie nicht einzukommen er wird u. soll überrascht w[erde]n*. –

An Seine Wohlgeboren Herrn Herrn Georg Nägeli in Zürich.



1 Brief 1871 , nicht überliefert.

2 Beethoven hatte sich wunschgemäß bei Erzherzog Rudolph für die Subskription von Nägelis Gedichten verwendet, vgl. Brief 1864 vom 23.8.1824.

3 Die Gedichtsammlung Liederkränze, Zürich 1825, enthält auf S. 151f. jenes Gedicht Ludwig van Beethoven , das Nägeli schon handschriftlich am 3.8.1824 (Brief 1856) mitgeteilt hatte. Im Subskribentenverzeichnis (S. XVI) ist tatsächlich ein Unbekannter aus Wien aufgeführt.

4 Beethoven bezieht sich wohl auf Brief 1263 vom 3.7.1818, in dem Nägeli zur Subskription von J.S. Bachs Messe in h-Moll aufgerufen hatte.

5 Nägelis Vorlesungen über Musik mit Berücksichtigung der Dilettanten, Stuttgart und Tübingen 1826, sind tatsächlich Erzherzog Rudolph gewidmet.

6 Beethoven verschaffte Nägeli noch die Subskription von Johann Bihler auf zwei Exemplare, s. Brief 1898 vom 17.11.1824.

7 Nägelis für Ostern 1819 angekündigte Partitur-Ausgabe der h-Moll-Messe war mangels Subskribenten nicht erschienen. Beethoven hat mehrfach Interesse an dem Werk bekundet. Schon im Juni 1824 wollte er sich deswegen erneut an Nägeli wenden, s. BKh 6, S. 266 (Bl. 20r, Eintragung etwa vom 9.6.1824). Erst 1833 erschien der erste Teil der Messe im Druck (Nägeli und Simrock).


© 1998 G. Henle Verlag, München