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Editorische Zeichen in den Brieftexten

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Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

1967. Beethoven an Dr. Anton Georg Braunhofer

[Baden,] am 13ten May 1825

Verehrter Freund!

Dr: wie gehts Patient? Pat. wir stecken in keiner guten Haut. – noch immer sehr schwach, Aufstoßen etc ich glaube, daß endlich stärkende Medizin nöthig ist,1 die jedoch nicht stopft2 – weißen wein mit wasser sollte ich schon trinken dörfen, denn das Mephitische3 Bier kann mir nur zuwider seyn – mein katharalischer Zustand aüßert sich hier folgender Maßen, nemlich: ich speie ziemlich viel Blut aus, wahrscheinlich nur aus der Luftröhre, aus der Nase strömmt es aber öfter, welches auch der Fall diesen winter öfters war Daß aber der Magen schrecklich geschwächt ist u. überhaupt meine ganze Natur dies leidet keinen Zweifel, bloß durch sich selbst, so viel ich meine Natur kenne, dörften meine Kräfte schwerlich wieder ersezt werden. Dr: ich werde helfen, bald Browianer bald stollianer etc seyn4 Pat. <bi>Es würde mir lieb seyn, wieder mit einigen Kräften an meinem Schreippult seyn zu können, erwägen sie dieses; – Finis5
sobald ich in die Stadt komme sehe ich sie[,] nur Karl sagen, Wann ich sie treffe, können sie aber Karl selbst angeben, was noch geschehen soll, die lezte Medizin nahm ich nur einmal, u. haben Sie verlohren, so wäre das ersprießlich. –

mit Hochachtung u. Dankbarkeit ihr Freund
Beethoven

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Geschrieben am 11ten May 1825 in BadenHelenenthal an der 2ten Antons Brücke nach Siechenfeld zu.6

Beethoven
Für seine wohlgebohrn H.[errn] Von Braun Hofer
<Baden>Pr[o]fessor der Arzneykunde etc



1 Braunhofer hatte Beethoven eine Diät verordnet und sich mehrfach geweigert, "stärkende Mittel" zu verschreiben, vgl. BKh 7, S. 224, 227ff. und 233f.

2 Beethoven hatte Schokolade und Mandelmilch trinken müssen, reizende Getränke wie Kaffee und Wein waren ihm untersagt worden.

3 Stinkend, erstickend, nach der altitalischen Göttin Mephitis, der Beherrscherin erstickender Dünste.

4 John Brown (1735 – 1788), englischer Arzt, hatte 1780 eine eigene Theorie der Heilkunde aufgestellt, die Erregungstheorie. Danach entstehen Krankheiten durch übermäßige oder fehlende Reize, die mit dämpfenden oder reizverstärkenden Mitteln bekämpft werden müssen. Max Stoll (1742 – 1787), aus Württemberg stammender Arzt, ließ sich 1777 in Wien nieder und gehörte der sogenannten "Wiener Schule" an, die der Homöopathie nahestand. Beethoven hielt die Methoden Browns am zuträglichsten für seine Natur. Braunhofer neigte den Lehren Stolls zu.

5 Doppelt unterstrichen.

6 Über den Empfang des Briefes und des Kanons (WoO 189) s. BKh 7, S. 280.


© 1998 G. Henle Verlag, München