Ue
Beethoven-Haus Bonn Hilfe
schließen ×

Hilfe zur Benutzung der Brieftexte

Editorische Zeichen in den Brieftexten

  • <...> Streichung, Überschreibung, Löschung
  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

2030. Beethoven an B. Schott's Söhne in Mainz

[Wien, 13. August 1825]

Ew. Wohlgeboren!

Mit Erstaunen nehme ich im 7. Hefte der Cecilia S. 205 wahr, daß Sie mit den eingerückten Canons auch einen freundschaftlich mitgetheilten Scherz1 , der leicht für beissende Beleidigung genommen werden kann, zur Publicität brachten, da es doch gar nicht meine Absicht war, und mit meinem Character von jeher im Widerspruche stand, jemanden zu nahe zu treten.
Was mich als Künstler betrifft, so hat man nie erfahren, daß ich, man habe auch in diesem Punkte was immer über mich geschrieben, mich je geregt habe; was mich aber als Mensch betrifft, muß ich von einer ganz anderen Seite empfinden.
Obschon es Ihnen gleich auf den ersten Anblick hätte in die Augen springen sollen, daß der ganze Entwurf einer Lebensbeschreibung meines geachteten Freundes Herrn Tobias Haslinger nur ein Scherz war, und auch nicht anders gemeint seyn konnte, da ich, wie mein Brief besagt, zur Steigerung dieses Scherzes noch obendrein durch eine Aufforderung von Ihrer Seite ihn um die Einwilligung zur Herausgabe seiner Biographie anzugehen wünschte, so scheint es doch, daß es meine flüchtige, und oft unleserliche Schrift war, welche zu einem Mißverständnisse Veranlassung gab.
Meinem Zwecke, Ihnen Beyträge, welche Sie selbst verlangen, zu übersenden, wäre vollkommen entsprochen worden, wenn Sie nur die beyden Canons eingerückt hätten, deren Uiberschriften schon hinlänglich beweisen, daß sie mit einer Biographie Haslingers nicht leicht in Berührung kommen können; ich konnte mir es aber kaum träumen lassen, daß Sie eine Privat-Correspondenz mißbrauchen, und einen solchen Scherz dem Publikum vorlegen würden, welches sich Ungereimtheiten, die Sie erst noch einzuschalten beliebten (z.B. Zeile 2. " Kanons, die ich als Beylagen" pp) gar nicht erklären kann.
Das Wort "geleert", welches mit zum Ganzen des humoristischen Umrisses gehört, könnte in einem Kreise, wo man sich scherzend unterhält, wohl gelten, nie aber fiel es mir ein, es öffentlich statt: gelehrt hinzusetzen.
Das hieße den Spaß zu weit treiben!
In Zukunft werde ich mich wohl zu hüthen wissen, daß meine Schrift nicht zu neuen Mißverständnissen Anlaß gebe.
Ich erwarte daher, daß Sie dieses ohne Verzug, und ohne Clausel oder Hinweglassung in die Cecilia aufnehmen werden, da die Sache einmahl so ist, wie ich sie hier erklärt habe, und keineswegs anders gedeutet werden darf.
Wien, am 13. August 1825.
L. van Beethoven.

Ich rechne ganz sicher darauf, daß dieser Aufsaz sogleich in die Cæcilia eingerückt werde2
ihr Ergebner Beethoven
Wien.
Herrn B. Schotts Söhne Musikhändler in Mainz.Gegen retour Recepisse
Aufgeber: Ludw. van Beethoven No 969



1 Die "romantische Lebensbeschreibung" Tobias Haslingers, s. Brief 1925 vom 22.1.1825.

2 Die Cäcilia nahm die Erklärung Beethovens nicht auf, da man in ihr lediglich einen Rechtfertigungsversuch gegenüber Haslinger vermutete.
Am unteren Rand der 3. Seite notierte G. Weber mit roter Tinte: "Der Brief ist wahrscheinlich von Haßlinger selbst <rezens> geschrieben." Wie die Adresse zeigt, hat der Brief tatsächlich Haslinger vorgelegen und ist wahrscheinlich mit ihm abgesprochen worden. Das Beethoven-Archiv Bonn besitzt eine Abschrift von seiner Hand.
Zu dem Brief existiert ein Entwurf ebenfalls von der Hand Karl Holz' mit Zusätzen Beethovens, durch + + gekennzeichnet; 1 Doppelblatt (wohl aus einem Konversationsheft), 2 beschriebene Seiten (die Seiten 3 und 4 enthalten Gesprächsnotizen, die sich teilweise auf den Entwurf beziehen, s. Wiedergabe unten); Bonn, Beethoven-Haus (BH 51):

"Entwurf
<Für An Schott>
Mit Erstaunen nehme ich im 7. Hefte der Cecilia S. 205 wahr, daß Sie einen freundschaftlich mitgetheilten Scherz <den ich Ihnen bey> +der leicht für beissende Beleidigung genommen werden kann,+ bey Gelegenheit der <überschickten> eingerückten Canons <mittheilte>, zur <Öffentlichkeit> Publicität brachten, da es doch gar nicht meine Absicht war, und mit meinem Charakter von jeher im Widerspruche stand<en>, jemanden zu nahe zu treten.
<Da es beym> Obschon es Ihnen auf den ersten Anblick gleich hätte in die Augen springen sollen, daß <die> der ganze Entwurf einer <humoristi> Lebensbeschreibung meines geachteten Freundes Herrn Tobias Haslinger nur ein Scherz war, <der ihn> und auch nicht anders gemeint seyn konnte, da ich wie mein Brief besagt, + zur Steigerung dieses Scherzes noch obendrein + durch eine Aufforderung von Ihrer Seite ihn um <seine> + die + Einwilligung [Beethoven am Rand:] um den Scherz noch zu vermehren [Holz:] zur Herausgabe seiner Biographie <angehen> anzugehen <ließ> <zu> wünschte, so scheint es doch, daß meine flüchtige und oft unleserliche Schrift zu einem Mißverständnisse Veranlassung gab, <welches nur durch einen öffentlichen Widerruf gehoben werden kann.>
Meine<r>m <Absicht> <Absicht> Zwecke, Ihnen <die verlangten> Beyträge <zur Cecilia>, welche Sie selbst verlangten zu übersenden, wäre vollkommen entsprochen worden, wenn Sie nur <allein> die beyden Canons eingerückt hätten, deren Uiberschriften schon hinlänglich beweisen, daß sie mit <der> einer Biographie Haslinger's nicht in Berührung kommen können; ich konnte mirs aber kaum träumen lassen, daß Sie eine Privat-Correspondenz mißbrauchen, und einen <Brief> solchen Scherz dem Publikum vorlegen würden, welches sich Ungereimtheiten, die <ich gar nicht geschrieben habe> Sie erst noch einzuschalten beliebten (z.B. Zeile 2, Kanons die ich als Beylagen pp) gar nicht erklären kann.
Das hieße den Scherz zu weit treiben! und schändet das Ansehen einer Zeitschrift
Ich erwarte daher, daß Sie dieses <in> <bald möglichst> ohne Verzug und ohne Clausel oder Hinweglassung in die Cecilia aufnehmen werden.
[Beethoven:] da die sache einmal so ist, wie ich sie hier erklärt habe, u. keineswegs anders gedeutet werden kann. das wort gelehrt +welches nur mit zum ganzen des Scherzes gehört+ konnte in einem Kreise, wo man sich scherzend unterhält, wohl statt haben, nie aber durfte dies im publikum statt gelehrt erscheinen
was mich betrift als Künstler So hat man nie erfahren daß, man habe auch in diesem Punkt was immer über mich geschrieben, mich je geregt habe, was mich aber als Mensch betrift, <das> das ist wieder eine ganz andere Seite; –
[Holz:] In Zukunft hüthe meine Schrift,"

[Gesprächsnotizen:]
[S. 3]
"Weiß er?
Ich habe gesagt, es sey gar nichts fertig.
Er hat es schon vor mehreren Monaten gesagt
V.
Das 2te ist vorzüglich leicht"
[S. 4]
"Er fährt beständig
Um 6 Uhr früh an der Kugel auf der Wieden, aber der Platz muß Tags zuvor bestellt werden.
Es ist der Gesellschaftswagen, die Person zahlt 30 x Cmz ohne Trinkgeld
Ich werde verbessern; es ist nur ein Entwurf
— — — —
Schott und Weber
Steiner und Seyfried.
Aber Ihre Unterschrift"

© 1998 G. Henle Verlag, München