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Editorische Zeichen in den Brieftexten

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  • [...] Herausgeberzusatz
  • +...+ Markierung längerer Passagen, auf die im Kommentar eingegangen wird, z.B. mehrfache Unterstreichung
  • +...+ Einfügungen des Schreibers mit Verweiszeichen im Original
  •  ... * Asterisk, Kennzeichnung von Textverlust durch Beschädigung der Handschrift

Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

2097. Beethoven an Karl Holz1

[Wien, kurz vor dem 27. November 1825]2

Erstaunlich Werther!

Hier den Brief an den Vice dir.[ektor] <reißig oder> reißer,3 – <an sicheres> ich bitte <in[?]>mit aller schonung u. Zurückhaltung wegen K.[arl] mit ihm zu sprechen, ich thue das meinige nach meiner Einsicht u. Art u. bin überzeugt, daß endlich ein gewünschtes Resultat erreicht werden wird, wir haben noch keine Proben, daß irrende durch neue Irrthümer u. irrige Behandlung zurechtgewiesen würden –
erkundigen sie sich doch noch gefälligst bey R. [eisser], ob es ihm nicht beschwerlich fällt sich mit mir schriftl.[ich] zu besprechen, weil ich alsdenn einmal selbst zu ihm kommen würde –
Haßlinger wußte schon ges[t]ern von der entsprung.[enen] Haushält.[erin]4 meine schuld ist es nicht, übrigens ist so was nicht ohne Beyspiel, sonst würde nicht die polizeil.[iche] Verordnung existiren , d.g. sogleich allda anzugeben, um <so[?]>d.g. an Ort u. stelle wieder zu schaffen, freylich bin ich es ja, denn's trift denn kein Pflegmaticus bin ich ja, u. beym Kriminal werden ja erst die Ursachen Untersucht, die bey dem Menschen manches veranlassen können, nun Gott sey Dank, so weit ist's noch nicht, aber sagt ihr, ich handle zu feurig, freylich, ich warte nicht am strome, bis jemand ertrunken ist, nun mit der Haußhält.[erin] gibt's wieder ein wiener-Gesp, mit der Fr. v. Vivenot5 wird's wohl eben so seyn, denn Herzloß seyd ihr alle, für Kastelli ist<'s gut> dieser Zufall gut in seine Bären6
wenn sie bey der verein's Kanzley vorbeygehen, ersuche ich demühtigst um 2 Billete für Sonntag,7 ich bin zwar keine von den Sonnen des verein's, aber ich befruchte doch den Musikal.[ischen] Boden So, daß manche mir dafür Dank wißen –
nun lebt wohl, ich hoffe Veritas non odium parit – jukt's euch so krazt euch –
das Resultat von ihrer Unterredung bitte ich sie mir wenigstens bald mitzutheilen, da mir gemäß dem Briefe an R., wie sie sehen werden, es zu wißen nöthig, bis ich einem Menschen allhier mit Diogenes Laterne8 gefunden habe, bitte ich sie doch einiges mitleiden gegen mich zu aüßern –

wie immer der Ihrige
Beethoven
Nachschrift

von K.[arl] alles zu verschweig.[en] ist unmöglich, wenn R.[eisser] nur nichts schon vom Billard spielen weiß. – suchen zu erfahren – fein – ob er wirkl.[ich] 5 stund.[en] Kollegien hat9 – wegen Schlemmer10 die höchste verschwiegenheit dem Hr. v. R. zu emphelen, ich habe meine gute Ursache – sie werden an dem Hr. Vice Direk.[tor] einen wirklichen Vice finden; – er soll ihnen nur angeben, woran man sich wegen einem Ort für Karl durchaus bey einem Profeßor <denken[?]>wenden soll? die Meße laßen sie durchaus nicht in seinen Händen,11 dem Maßiven Vice – welche Lage für mich, o Gott nur weit von hier weg! – Dulden – immer fort –
Nb
Der weite weg in die Alleegaße von mir aus u. für jeden andern ist zu bemerken –
Vale et Fave [.] Sie können auch das Mädchen mitnehmen um die Meße zu tragen ad libitum – ich werde morgen früh darum Schicken ad libitum –
Lesen sie den Brief an R.3

3 Monathe von November bis Ende Jenner sind voraus bezahlt ich will aber auch gern dieses verlieren. –12



1 Nach der Redeweise zu schließen, ist Karl Holz Adressat des Briefes gewesen.

2 Der Brief wurde kurz vor dem erwähnten Gesellschaftskonzert (s. Anm. 7) vom 27.11.1825 geschrieben.

3 Brief 2096 .

4 Siehe Brief 2095 .

5 Franziska Vivenot geborene Edle von Vogel, Frau des Arztes Dr. Dominik Vivenot (1764 – 1833). Holz erwähnt sie im Konversationsheft mehrfach im Zusammenhang mit der Vermittlung einer Haushälterin.

6 Gemeint ist die seit 1825 in verschiedenen Lieferungen erscheinende Anekdotensammlung Bären von Ignaz Franz Castelli.

7 Es geht um Eintrittskarten vermutlich für das erste Gesellschaftskonzert des Musikvereins in der Saison 1825/26, das am Sonntag, dem 27.11.1825, stattfand. Auf dem Programm standen Beethovens dritte Symphonie, eine Szene aus Rossinis Otello (2. Finale), das Cellokonzert fis-Moll op. 30 von Bernhard Romberg und das Gloria aus der zweiten Messe d-Moll von Cherubini, s. den Bericht in AMZ 27 (1825), Sp. 848. Eintrittskarten wurden für die Mitglieder ab dem 24. November in der Kanzlei des Musikvereins ausgegeben.

8 Von dem griechischen Philosophen Diogenes wird berichtet, er sei einmal am hellen Mittag mit einer Laterne durch Athen gegangen und habe auf die Frage, was er suche, geantwortet: "Ich suche Menschen".

9 Um den 7.11.1825 hatte der Neffe Karl, um sich gegen Beethovens Mißtrauen zu verteidigen, seinen Stundenplan mitgeteilt: "Dann von 9 – 12 Collegium . Nachmittag von 3 – 5 Collegium " , s. BKh 8, S. 183.

10 Der Neffe Karl wohnte während seiner Studienzeit am Polytechnischen Institut bei dem Kanzleibeamten Mathias Schlemmer auf der Wieden, Alleegasse Nr. 72.

11 Reisser hatte sich im Mai 1825 eine Partitur der noch unveröffentlichten Missa solemnis erbeten, um sie für sich privat abschreiben zu lassen, s. BKh 7, S. 283 und Brief 2096 .

12 Der Satz ist auf der 1. Seite der Nachschrift nachgetragen. Es geht um das Kostgeld bei Schlemmer.


© 1998 G. Henle Verlag, München