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Ungebräuchliche und schwer verständliche Abkürzungen im Brieftext werden in eckigen Klammern [ ] aufgelöst. Die gängigen Abkürzungen und Zeichen für Münzen und Währungen bleiben unverändert. Nicht aufgelöst werden auch die geläufigen Abkürzungen bei Tempo- und Instrumentenbezeichnungen wie Allo, Andte, Vno(Violino) und Vcello(Violoncello).

Wurde ein Dokument im Laufe der Überlieferung getrennt und befindet sich nur ein Teil im Beethoven-Haus Bonn, ist dieser Teil in der Übertragung fett wiedergegeben.

Abkürzungen in den Brieftexten

  • # Dukaten
  • sfl., f., fr. Florin, Gulden
  • kr, xr, x Kreuzer
  • C.M., c.m. Konventionsmünze
  • W.W., w.w. Wiener Währung
  • BZ, B.Z. Bancozettel
  • £ Pfund Sterling
  • Rthlr Reichstaler
  • Thlr Taler
  • d.c. da capo
  • d.g., dgl. dergleichen
  • d.s. dal segno
  • etc. et cetera
  • mp, m.p. manu propria
  • Nb. Nota bene
  • P.P. Praemissis Praemittendis
  • P.S. Postscriptum
  • P.T. Pleno Titulo

Der nachgestellte Kommentar enthält den Quellennachweis sowie textkritische und erläuternde Anmerkungen. Für die häufiger zitierte Literatur werden Abkürzungen und Siglen verwendet.

2101. Eleonore Wegeler an Beethoven

Kobl. den 29/12 [18]25

Schon lange lieber Beethoven! war es mein Wunsch daß Wegeler ihnen einmal wieder schreiben möge – nun da dieser Wunsch erfüllt glaube ich noch ein paar Worte zusezen zu müßen – nicht nur um mich etwas näher in ihr Gedächtniß zu bringen sondern um die wichtige Frage zu wiederholen ob sie gar kein Verlangen haben den Rhein u. ihren Geburtsordt wiederzusehn – Sie werden uns zu jeder Zeit u. Stunde der willkommenste Gast sein – u. Weg.[eler] u. mir die größte Freude machen – unsers Lenchen1 dankt ihnen so manche frohe Stunde – hört so gern von ihnen erzählen – weiß alle kleine Begebenheiten unserer frohen Jugend in Bonn – von Zwist u. Versöhnung – – Wie glücklich würde diese sein, sie zu sehn! – Daß Mädchen hatt leider kein Musick Talent, aber durch großen Fleiß u. ausdauer hatt sie es doch so weit gebracht daß sie ihre Sonaten Variationen u. d.g. spielen kann u. da Musick immer die größte Erholung für Weg. bleibt macht sie ihm manche frohe Stunde dadurch Julius hatt Musick Talent, war aber bis jezt nachläßig – u. erst seit einem 1/2 Jahr lernt er mit Lust u. Freude Violoncelle da er in Berlin einen guten Lehrer hatt, glaube ich bestimmt daß er noch etwas lernen wird – beide Kinder sind groß u. gleichen dem Vater – auch in der heitren fröhlichen Laune welche Gottlob Weg. noch nicht ganz verlaßen hatt – –
Er hatt ein großes Vergnügen die Thema's ihrer Variationen zu Spielen, die Alten stehn oben an doch übt er manchmal mit unglaublicher Geduld ein neues ein – Ihr Opferlied2 steht an der Spize – nie kömpt er in's Wohnzimmer ohne an's Clavier zu gehn – schon daraus lieber Beethoven! können sie sehn, in welch immerdaurendem Andenken sie bei uns leben – sagen sie uns doch einmal daß dies einigen Werth für sie hatt, u. daß auch wir nicht ganz von ihnen vergeßen sind – Wäre es nicht so schwer oft unsre liebsten Wünsche zu befriedigen, hätten wir wohl schon den Bruder3 in Wien besucht, wobei gewiß daß Vergnügen Sie zu sehn berücksichtet wurde – aber an eine solche Reise ist nicht zu denken jezt durchaus nicht da der Sohn in Berlin ist – Weg. hatt ihnen gesagt wie es uns geht – wir hatten unrecht zu klagen – selbst die schwerste Zeit ging uns glüklicher vorbei wie 100 andren – daß größte Glük ist daß wir gesund sind, u. die Kinder gut u. Braf sind – ja beide machten uns durchaus noch keinen Verdrus – u. sind selbst froh u. guter Dinge – Lenchen hatt nur einen großen Kummer erlebt – daß war als unser armer Burscheid4 starb – ein Verlust den wir alle nie vergeßen werden

leben Sie wohl lieber Beethov u. denken sie unser in redlicher Güte – –
Ele. Wegeler



1 Helene Wegeler.

2 WoO 126. Wegeler hatte dem Lied einen freimaurerischen Text unterlegt (Bei der Aufnahme eines Maurers), s. Wegeler/ Ries S. 67.

3 Stephan von Breuning.

4 Gemeint ist wohl Ferdinand Freiherr von Bourscheid (1766 – 1816), Jurist, in französischer Zeit Maire von Burgbrohl, s. Max Braubach, Die erste Bonner Hochschule , Bonn 1966, S. 335.


© 1998 G. Henle Verlag, München